Abirede 2007

Hier findet ihr die Abschlussrede, die Moritz und ich stellvertretend für den Abijahrgang verfasst und gehalten haben(Bitte schön, Frau M. :) ) Liebe Mitschüler und Mitschülerinnen, liebe Eltern und Verwandte, sehr geehrte Lehrer- und Lehrerinnen, liebe Gäste, uns beiden ist die Ehre und das Vertrauen zuteil geworden, stellvertretend für den scheidenden 13. Jahrgang unseres Gymnasiums die Abiturrede zu halten. Wir wollen diese Gelegenheit nutzen, auf 9 Jahre Schulzeit am Gymnasium Wellingdorf zurückzublicken, sie zu rekapitulieren und zu sagen, was an ihr schön war und was eventuell verbesserungswürdig ist, um der Nachwelt einen angenehmeren Schulalltag zu bescheren. - Ja, liebe Lehrer, es wird auch Kritik geben. Aber beginnen wir doch mit dem angenehmen Teil der Rede.9 Jahre Schule, das sind 47% unseres bisherigen Lebens, die wir hier am Kieler Ostufer verwirkt haben. In dieser Zeit haben wir Wandel und Veränderung miterlebt:Wir waren Zeugen, wie eine mittlerweile antiquitierte Lehrergeneration, die schon einige unserer Eltern unterrichtet hat, endlich ihr Lebensziel Ruhestand erreicht hat, als da wären: Fr. Preul, Fr. Dr. Lange, Hr. Runge, Hr. Noak, Hr. Dümpelmann, Hr. Hampe, Hr. Wenzel, Hr. Hüske, Hr. Dudek und wahrscheinlich noch einige weitere, die unserer Vergesslichkeit zum Opfer gefallen sind.   Aber auch unter den Schülern hat sich ein Wandel vollzogen: Als frisch gebackene Unterstufenschüler haben wir beispielsweise das Oberstufengebäude und den Oberstufenschulhof als ein verbotenes Heiligtum geachtet und aus Ehrfurcht konsequent gemieden. Von den Beschützern dieser sakralen Stätten - auch Oberstufenschüler genannt - haben wir uns stets ärgern und vorbildlich in Müllcontainer stecken lassen.Doch das war einmal. Als wir nun endlich zu den Großen zählten, tummelten sich auf unserem Schulhof mehr Sextaner als Obersekundaner, Unter- und Oberprimaner, von Respekt gegenüber unserem Alter kann keine Rede sein. Hätten wir es uns jemals erlaubt, einen unserer jüngeren Mitschüler für seine Aufmüpfigkeit und Frechheit angemessen zu bestrafen, hätten wir mit Anrufen von aufgebrachten Eltern und Lehrergesprächen, im schlimmsten Fall mit Attestpflicht rechnen müssen.Sehen wir den Tatsachen ins Auge: Die neuen Schülergenerationen werden immer frühreifer, respektloser und erziehungsresistenter und wenn sie dann für ihr Handeln die Konsequenzen zu spüren bekommen sollen, stellen sich die Eltern schützend vor ihr Kind. Aber vielleicht sind wir auch einfach zu alt geworden und können oder wollen uns nicht mehr daran erinnern, dass wir vielleicht selbst einmal so waren. Während unserer Schulzeit waren wir aber auch von einschneidenden Neubesetzungen wichtiger Schlüsselpositionen des Schulbetriebes betroffen: Da wäre zunächst die neue Leitung unserer Cafeteria, des Herzstücks einer jeden Schule, die mit äußerster Professionalität die Arbeit von Frau Knipphals fortsetzt.A propos Knipphals: Herr Knipphals ist unser ehemaliger Hausmeister, der vor nicht allzu langer Zeit von Herrn Hossmann abgelöst wurde. "Knippi", wie ihn alle nannten, war ein Mensch mit einer harten Schale, aber ebenso weichem Kern, dem einige unserer Jahrgangskameraden in jüngeren Jahren gerne als Aushilfskräfte zur Hand gingen - meist als Konsequenz von Anrufen von aufgebrachten Eltern und Lehrergesprächen. Die für uns am folgenreichste personelle Veränderung, und das wird jeder in diesem Saal bestätigen können, ist wohl aber eindeutig der Wechsel in der Leitung der Oberstufe von Herrn Blume zu Herrn Knieling. Außerdem haben wir einen neuen Schulleiter.   Bevor wir aber anfangen, auf Ihnen rumzuhacken, sehr geehrte Lehrkräfte, wollen wir uns an die eigene Nase fassen.Wir haben es Ihnen bestimmt nicht immer leicht gemacht, Ihnen viel Freude bereitet, aber Ihre Lebenserwartung aufgrund temporärer Pulsschlagerhöhungen anlässlich schlechten Benehmens deutlich reduziert. Sei es nun während des Unterrichts, auf Klassenfahrten oder in der großen Pause, Gründe und Gelegenheiten gab es zur Genüge, selbst in der Oberstufe war die von einigen Lehrern erhoffte Reife nicht oder nur teilweise erreicht. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Rückblickend auf die letzten zwei Wochen muss aber auch der größte Kritiker zugeben: Wir haben uns unser Abitur redlich verdient. Wer einsteckt, darf ja bekanntermaßen auch austeilen, und genau das werden wir nun auch tun.Es ist so, dass wir als Abiturienten, die den Schulalltag am Gymnasium Wellingdorf kennen und miterlebt haben, keine Konsequenzen aufgrund dessen, was wir sagen, zu befürchten haben, und deshalb diese Möglichkeit nutzen, Ihnen ehrlich unsere Meinung Kund zu tun. Der Beruf des Lehrers ist, wie  unter anderen die Rütli - Schule in Berlin zeigt, wohl mittlerweile einer der anstrengsten und schwierigsten geworden: Der Bürokratieaufwand wächst, das Weihnachtsgeld wird gestrichen, die Schüler werden frecher und unerzogener und das Arbeitszimmer - das wird auch nicht mehr bezahlt. Ja, Sie Lehrer haben allen Grund zum Schimpfen, aber das entbindet Sie nicht von ihrer Pflicht, Ihren Schülern eine möglichst lehrreiche und angenehme Schulzeit zu bereiten.   Es gibt in der Tat Lehrer, die dieser Pflicht nachkommen und den Eindruck vermitteln als hätten sie Spaß an ihrer Profession. Lehrer, die ihren Unterricht vorbereiten und versuchen ihren Schülern etwas mit auf den Weg zugeben und nebenbei vielleicht auch nett, freundlich, locker und lustig sind. Dies sind Lehrer, die jeden Cent ihres Gehaltes verdienen, im Gegensatz zu jenen, für die der Unterricht eine größere Tortur zu seien scheint, als für ihre Schüler selber. Lehrer, die viel von anderen fordern, aber nichts von sich und sich somit auf ihren Beamtenstatus ausruhen.  Wir können die werte Lehrerschaft aber vertrösten - so schlimm sind Sie eigentlich gar nicht. Dennoch möchten wir Ihnen an dieser Stelle den einen oder anderen Ratschlag geben, was Sie tun können, um in Zukunft besser mit Ihren Schülern auszukommen.  Das Lehrer-Schüler-Verhältnis beruht auf Gegenseitigkeit. Auf beiden Seiten stehen nun einmal Menschen, sodass das Lehrer-Schüler-Verhältnis immer ein persönliches ist. Ein ständiges Geben und Nehmen ist die Grundlage, um miteinander auszukommen.  Einem Lehrer, der zuhört, hören auch die Schüler zu.Einem Lehrer, der Fehler verzeiht, werden auch Fehler verziehen.Ein Lehrer, der sich kritisieren lässt, darf auch selbst kritisieren.Ein Lehrer, der gerecht ist, wird von seinen Schülern auch gerecht behandelt.  Wenn Sie Probleme mit einem oder mehreren Schülern haben, suchen Sie die Schuld nicht immer bei denen, sondern auch mal bei sich selbst. Blocken Sie Kritik nicht immer gleich ab, sondern setzen Sie sich sachlich mit ihr auseinander. Vielleicht ist sie berechtigt. Was in keinem Fall geschehen darf, ist dass der Schüler Angst hat, offen mit einem Lehrer zu reden, weil er dadurch seine Note in Gefahr sieht. Angst ist generell ein schlechter Begleiter in der Schule und jeder Lehrer sollte darauf bedacht sein, Angst als pädagogisches Mittel zu meiden. Strenge und Autorität sind prinzipiell nicht verkehrt und werden von den Schülern auch akzeptiert, sofern sie durch die Kompetenz der Lehrkraft gerechtfertigt werden.  Glücklicherweise ist es nicht so, dass jeder Lehrer alle schlechten Eigenschaften in sich vereint. Der Anteil der fähigen, guten und somit auch unter den Schülern akzeptierten und beliebten Lehrkräfte überwiegt. Dennoch möchten wir an dieser Stelle allen Lehrkräften ans Herz legen, sich gelegentlich eine Portion Selbstreflektion zu gönnen, ihre Schüler um Feedback zu bitten und emotionale Reaktionen möglichst schnell sachlichen weichen zu lassen. Aber lassen Sie sich trotzdem nicht alles gefallen! Seien Sie einfach fair.Da die Lehrer unserer Schule nicht ganz so schlecht sind, wie es der Ärger über sie gelegentlich erscheinen lässt, ist auch das Zeugnis, das man unserer Schulzeit ausstellen kann, durchaus in Ordnung. Wir werden uns oft an sie zurück erinnern - im Guten wie im Schlechten - sie vermissen, aber ihr wahrscheinlich nicht nachtrauern, denn man soll ja bekanntlich nicht in der Vergangenheit leben. Auch wenn der Einzelne eine mehr oder weniger schöne Schulzeit hatte und wir leider in unserem Jahrgang nie ein Wir - Gefühl erzeugen konnten, besteht wohl kein Zweifel daran, dass unsere Zeit am Gymnasium Wellingdorf eines ganz bestimmt war: lehrreich.  Abschließend wollen wir uns jedenfalls bei Ihnen, liebe Lehrer, und auch bei unseren Eltern und allen anderen, die uns begleitet haben, bedanken - für eine Schulzeit, die für die meisten von uns wohl eher eine Bereicherung als ein Laster war. Wir wollen unseren Dank an dieser Stelle auch an Herrn Dr. Busch richten, der uns acht Jahre lang ein sehr menschlicher und freundlicher Schulleiter war. Gleichzeitig wünschen wir Ihnen, Herrn Borstelmann, viel Erfolg bei Ihrer Mission, an die Ära Busch anzuknüpfen und die alte Lady Gymnasium Wellingdorf zur Zufriedenheit aller zu leiten. Ihre Jungfernfahrt haben Sie absolviert und mit dem ersten Jahr ist wohl das Schwierigste in ihrer Schulleiterlaufbahn geschafft. Wir sind davon überzeugt, dass Ihre gut gemeinte Korrektheit mit der Zeit einem gesunden Maße an Lockerheit weichen wird. Was uns in Zukunft erwartet, ist schwer zu sagen. Einfach wird es bestimmt nicht, aber wir werden uns der Herausforderung "Leben" stellen und sie versuchen zu meistern. Auf jeden Fall wird sich zeigen, wie gut unsere Schulausbildung tatsächlich ist. Sollte sie sich als unzulänglich erweisen, werden wir uns in spätestens 20 Jahren, verehrte Lehrkräfte, wohl noch einmal sprechen müssen. In diesem Sinne: Noch einmal herzlichen Dank für alles und auf Wiedersehen!