Algerien rief die Kosmonauten zum Marathon des Dunes

Bilder folgen! Zugegeben: 2.200 km Anreise für einen Silvesterlauf sind nicht alltäglich. Als unsere beiden Kosmonauten Barbara Späth und Manfred Hilbrink-Späth in einer Läuferzeitschrift die Ankündigung zum Marathon des Dunes (drei Etappen im algerischen Teil der Sahara) lasen, wussten sie: das ist es. Diese Mischung aus Laufleidenschaft, Faszination Wüste und dem Schuss Abenteuerlust, die hier zusammen kam. Damit die Abenteuerlust nicht zu groß wurde, galt es zunächst, einen Blick auf die Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amts zu werfen. Nachdem diese für diesen Teil Algeriens „grünes Licht“ gaben, stand dem Vorhaben nichts im Wege. Das Visum kam innerhalb kürzester Zeit und nachdem die wie üblich schwierige Frage „Was nehme ich mit?“ geklärt war, machten sich die insgesamt fünf deutschen Teilnehmer sofort nach den Weihnachtsfeiertagen auf nach Paris, um von dort aus zusammen mit den französischen Teilnehmern den Flug nach Ghardaïa (ca. 700 km südlich von Algier) anzutreten. Von dort aus wurden die Sportler in ihr Domizil in Zelfana gebracht, einem Oasenort mit 41 °C heißen Quellen. Gleich am ersten Abend machten die Teilnehmer mit dem unangenehmen Teil der Faszination Wüste Bekanntschaft, mit der Kälte. Nachttemperaturen von 5 °C waren angesagt, so dass es am frühen Morgen bis zum Start des Laufes hieß, sich gut warm zu hal-ten. Die erste Etappe führte das Läuferfeld zunächst durch einen Palmenhain, später durch einen Dünengürtel, um dann wieder Zelfana zu erreichen. Für alle unvergesslich war insbesondere die zweite Etappe. Diese war keine Wüstenetappe im eigentlichen Sinn, wurde doch überwie-gend auf Asphalt gelaufen. Vielmehr erinnerte sie fast an einen heimischen Stadtlauf, wäre da nicht die stete Sicht auf die malerische Stadt Ghardaïa mit ihren phantastischen Bauten gewesen. Ein grandioser Empfang auf dem Marktplatz beendete diese Etappe. Das dritte Teilstück machte dem Namen dann wieder alle Ehre, stand doch an diesem Tag die Auseinandersetzung mit den Dünen von Zelfana an. Neben dem sportlichen Element kamen bei diesem Lauf ebenso touristische und kulturelle Elemente zum Tragen. Nachdem sich die Läuferinnen und Läufer, und natürlich auch die zahlreichen Wanderer, von den morgendlichen Wettkämpfen erholt hatten, standen verschie-dene Besichtigungen auf dem Programm. Sei es die Anlage und Bewässerung eines Palmen- und Dattelhains inmitten der Wüste oder die Anlage einer Wohnsiedlung mit modernen Ver- und Entsorgungseinrichtungen, die dennoch dem Leben im traditionellen Großfamilienverband gerecht wurde – auf vielfältige Art und Weise lernten die Sportlerinnen und Sportler das Leben unter den Bedingungen der Sahara kennen. Insbesondere ein gemeinsames Mittagessen in der Palmeoase El-Ateuf mit den gastfreundlichen Bewohnern des Dorfes bot reichlich Gelegenheit zum gegenseitigen Austausch. Mussten die deutschen Teilnehmer sonst ihre französischen Sprachkenntnisse bemühen, so gestaltete sich das Essen von dieser Seite her sehr entspannt: der dortige Bürgermeister hatte in Hannover studiert und freute sich sehr, nach langer Zeit einmal wieder deutsch sprechen zu können. Von ihm erfuhren die heimischen Sportler auch mehr über die Mozabiten, eine strenggläubige Gruppe, die sich im 11. Jahrhundert zuerst in El-Ateuf, später in vier weiteren Orten der kargen Wüstenlandschaft ansiedelten. Diese fünf Städte gelten den Mozabiten heute als „heilige Räume“, als Orte der wahren Religion. Auffallend für westliche Besucher, das die Mozabitin ihr Haus nur selten verlässt und aus dem öffentlichen Leben fast verbannt ist. Und wenn sie das Haus doch einmal verlässt, so ist sie so stark verhüllt, dass gerade noch eine winzige Öffnung für ein Auge bleibt. Doch nicht nur die Europäer lernten Sitten und Gebräuche des Landes kennen, für viele Einheimische war es vermutlich das erste Mal, dass sie Bewohner des anderen Kontinentes zu Gesicht bekamen. Und für viele Kinder wird das „Hände abklatschen“ in Erinnerung geblieben sein, das bei hiesigen Läufen gang und gäbe ist und dort so gänzlich unbekannt war. Ein besonders nettes Erlebnis blieb den deutschen Teilnehmern nachhaltig in Erinnerung. Hatte es während des gesamten Aufenthaltes stets nur Wasser und Säfte gegeben, so drückte ein einheimischer Betreuer, der durch sein Studium in Deutschland hiesige Sitten und Ge-bräuche kannte, der deutschen Gruppe kurz vor dem Jahreswechsel (verpackt) eine Flasche Wein in die Hände. „Diese Geste – entgegen der dortigen religiösen Praxis - freute uns ein-fach deshalb, weil es die immense Gastfreundschaft und Aufmerksamkeit ausdrückte, die uns während der gesamten Reise von algerischer Seite zuteil wurde“, so die beiden Kosmonauten.