An der schönen, klaren Adria
** Mittwoch, 21. September 2005 ** - Sonnig, Nordwind, 23°C - ** Zaton (Zadar), HR ** - km 22’808 Spaziergang ins nahe gelegene Dorf. Da sich die Touristen im Camp selber und in der nahen Stadt Zadar konzentrieren, ist hier ausser einer Pizzeria und einem Grillrestaurant in dieser Hinsicht nicht viel los. Eine Kirche und eine venezianische Turmruine bilden das Zentrum, wo noch zwei kleine Läden zu finden sind. Den Rest des Tages verbringen wir in der sehr schön eingerichteten Poolanlage des Camps, lesen an unseren Lektüren, liegen in der Sonne. Entspannung! ** Donnerstag, 22. September 2005 ** - Teilweise sonnig, 23°C - ** Zaton (Zadar), HR ** - km 22’808 Der Nordwind ist etwas zusammengefallen, was uns zwar etwas angenehmeres Liegen, dafür auch ein paar Wolken bringt. Jean-Michel und Leo haben neue Freunde gefunden, praktisch gleichaltrige Buben einer deutschen Familie. Wenn wir sie suchen, ist dies immer die erste Anlaufstelle… Während einige Geräte hinsichtlich des nahen Saisonendes eingewintert werden, sind die Beachvolleyfelder nach wie vor gut belegt. Und das Wasser hat nach wie vor angenehme Badetemperaturen! ** Freitag, 23. September 2005 ** - Sonnig, 24°C - ** Zaton (Zadar), HR ** - km 22’808 Liegen lang. Von den Kindern fehlt den ganzen Tag jede Spur… Na ja, selbstverständlich wissen wir, wo sie sind: bei den neuen Freunden. Wir können sie hier problemlos ohne ständige Aufsicht lassen; das Meer ist bis weit hinaus nicht tief, der Platz ist allseitig abgesperrt. So geniessen wir einen ruhigen Tag am Strand. Gegen Abend löse ich noch mit den Jungs einen Gutschein für’s Trampolinspringen ein, das ist ein Gaudi! Aufgrund der baldigen Saison-Schliessung (leider) dieses Campingplatzes und der Einteilung der uns verbliebenen Camping Cheques beschliessen wir, bereits morgen nach Pula in Istrien überzusiedeln. Aber vorher wollen wir noch eines der örtlichen Restaurants ausprobieren, und natürlich die örtlichen Spezialitäten: Ražnici (Fleischspiesschen), Čevapčići (Hackfleischröllchen), und ganz fein frittierte Calamares! ** Samstag, 24. September 2005 ** - Sonnig, 25°C - ** Zaton (Zadar), HR ** - km 22’808 Zum Glück habe ich gestern auf der Karte noch die Kilometer nachgerechnet: Obwohl Pula in der Luftlinie nur etwa 120 Kilometer nordwestlich von Zaton liegt, sammeln sich auf der Strecke um die Kvarner Bucht herum stattliche 330 Strassenkilometer zusammen! Wir fahren also zügig los. Auf den ersten hundert Kilometer bis Karlobag führt die Küstenstrasse einem zerklüfteten Steilhang entlang, also in unzähligen Kurven. Die Strecke ist sehr schön, etwas rau, weil auf den Karstfelsen und Geröllhalden kaum eine Pflanze wächst. Während der ganzen Fahrt hat man eine wunderbare Aussicht auf das Meer und die lang gezogene, kahle Insel Pag. Nach Karlobag wird die Küste etwas ruhiger und die Strasse zügiger, aber das Panorama, nun auf die schon etwas mehr begrünten Inseln Rab und Krk, bleibt wunderbar. Nach einem Einkaufshalt in der Hafenstadt Rijeka ziehen wir dann die Autostrasse nach Pula vor, um noch bei Tageslicht auf dem Campingplatz anzukommen. Das gelingt auch, und wir sichern uns einen netten Platz in der zweiten Reihe am Meer mit Sicht auf die gegenüberliegende Insel Briuni. ** Sonntag, 25. September 2005 ** - Sonnig, 25°C - ** Fažana (Pula), HR ** - km 23’160 Auch in der Morgensonne sind wir mit unserem Plätzchen noch ganz zufrieden. Irgendwie haben wir mitbekommen, dass das Ehepaar hinter uns (in der dritten Reihe) eigentlich vorgehabt hatte, auf unseren gerade leer gewordenen Platz zu zügeln, war aber zur Zeit unserer „unvorhergesehenen“ Ankunft gerade auswärts beim Nachtessen. Wahrscheinlich, wenn man sich vierzehn Tage seiner wohlverdienten Ruhestandszeit in einer Liegestuhl-Sonnencrème-Lethargie befindet, muss einem das plötzliche Aufkreuzen einer Rundreise-Familie als vollkommen unvorhergesehenes, die gewohnte Ordnung missachtendes Ereignis vorkommen. Der Campingplatz in Fažana ist noch fester als der in Zaton in Deutscher Hand. Ausser den Angehörigen des „Grossen Kantons“ hat es neben uns nur noch zwei, drei Holländer. Wenn es keine Holländer mehr hat, ist der Campingplatz geschlossen (ich kann mich auf unserer ganzen Reise nur an fünf Plätze erinnern, wo es keine Niederländer hatte: auf einem Camping in Finnland, wo ausser uns alles Einheimische waren, sowie vier weitere in Estland, Litauen und Tschechien, wo wir an diesem Tag überhaupt die einzigen Touristen waren.) Im Gegensatz zu Zaton ist hier der Strand und die Uferregion ausschliesslich steinig. Nach den ersten beiden aufgerissenen Knöcheln gehen wir nur noch mit Strandschuhen ins Wasser, welches allerdings von einer phänomenalen Klarheit und angenehm warm ist. Quallen hat es ebenfalls keine, nur kleine graue Fischchen, die einem in einer Art kontrollierten Zutraulichkeit um Arme und Beine schwimmen. ** Montag, 26. September 2005 ** - Sonnig, 24°C - ** Fažana (Pula), HR ** - km 23’160 Nach dem Sonnenbad stecken wir die ganze Familie in restaurantfähige Kleider und spazieren der Küste entlang einen Kilometer bis zur Ortschaft Fažana, welche aus einem recht mondänen Quai mit einigen Restaurants, einem grosszügigen Hafen mit der Fährverbindung zur Nationalpark-Insel Briuni (welche bis zu seinem Tod 1980 Titos streng bewachte Sommerresidenz war), und einem Ortskern mit venezianischer Kirche und einigen engen Gässchen besteht. Dahinter, an der Durchgangsstrasse, hat es noch ein paar Läden, ein Fussballfeld und neuere Wohnquartiere. Strassenschilder und öffentliche Bauten sind minderheitengerecht in Kroatisch und Italienisch beschriftet. Wir setzen uns in eines der hübschen Restaurants an der Mole und versuchen diesmal mit Schafskäse gefüllte Hackfleischtaschen, genannt Pljeskavica. Mundet ausgezeichnet, aber die zweieinhalb Portionen für vier Münder vermögen diesmal nicht zu sättigen. Also biegen wir auf dem Rückweg noch bei der Slastiscarna ein, was eigentlich eine Eisdiele ist, hier aber auch feine gebackene Desserts anbietet. Der junge, lebenslustige Kellner mit der schwarzen, gelierten Lockenfrisur ist nicht von hier: „Milano!“ stösst er heraus, wirft sich ins Kreuz und greift sich ans Herz. ** Dienstag, 27. September 2005 ** - Teilweise sonnig, 22°C - ** Fažana (Pula), HR ** - km 23’160 Nach einem überzogenen Vormittag zieht am Mittag wieder der blaue Himmel auf. Jean-Michel und Leo haben wieder Freunde gefunden: Die kleine Paula vom übernächsten Wohnmobil, die so interessante Spielsachen hat, und ein Junge aus einer noch nicht näher identifizierten Parzelle südwärts… Zum Mittagessen gibt’s Pizza, dann nochmals ab zum Meer. Rund herum herrscht Aufbruchstimmung, und uns kribbelt’s auch schon langsam. Vierzehn Tage an Ort, nachdem wir ein halbes Jahr nie mehr als drei Tage an Ort blieben und meistens gleich weiter gezogen sind? Irgendwie unvorstellbar. Mal sehen. Fotos zu dieser Woche: unter http://europatour.nls-net.ch/album . Liebe Grüsse von der Adria!