Anti-Dalai-Lama-Hetze...cui bono? Und wer bezahlt´s?

In den liberalen und neokonservativen Blogs ist derzeit eine interessante Debatte im Gang, bei der sich die Blogger gegenseitig ihre Sympathien für China oder für Tibet um die Ohren schlagen. Dabei ist die Argumentation der Anti-Tibeter fast schon abenteuerlich: hier hat es vor 1950 keine Demokratie gegeben, also war es vielleicht besser, das Land durch fortschrittliche Kräfte von links befreien zu lassen. Wäre man böse, könnte man hier eine alte Waffenbrüderschaft der Kräfte des Proletariats unterstellen. Gibt es irgendwelche Hinweise darauf, dass die Tibeter im Falle einer Unabhängigkeit bruchlos im Jahr 1950 weitermachen würden? Ich glaube, hier hat Liza einen kleinen Denkfehler, der vielleicht darauf beruht, dass er nicht weiß, dass der Dalai Lama längst namentlich seiner Exilregierung die Demokratie eingeführt hat. Kann man tatsächlich für die Zukunft gleiche Verhältnisse erwarten, wie für eine Zeit vor 1950? Eine Zeit, in der der Dalai Lama gerade einmal 25 Jahre alt war? Wohl eher nicht. Die Tibeter waren nämlich keineswegs in den letzten 58 Jahren kryokonserviert, sondern haben sich genauso weiterentwickelt, wie die Welt um sie herum. Sehr schöner Kommentar auch hier. Das ist eben der Punkt: wie der Dalai Lama sein Land führen würde ist zwar nicht unerheblich, aber reine Hypothese. Der Mann hat bis in sein 25. Lebensjahr einem mittelalterlichen Regime vorgestanden, das er nicht erfunden hat und das noch wenig Kontakte zur Außenwelt hatte. Reine Hypothese ist dann natürlich auch, dass sich Tibet ohne chinesische Besatzung in Anlehnung an Indien oder die USA schon kurz nach 1950 demokratisiert hätte... Ich denke, es zählt sehr stark, wie sich die Exiltibeter und der Dalai Lama nach der Besetzung verhalten haben. Es sind eben nicht wegzudiskutierende 58 Jahre des Ertragens und der Friedfertigkeit. Und nichts, das darauf hinweisen würde, dass sie ein Regime wiederbeleben würden, dass 1950 untergegangen ist. Es bleibt die Frage, warum hier so mancher die Verbrechen Chinas mit den Verbrechen in Tibet vor 1950 aufrechnet. Ist es alte Verbundenheit unter Kommunisten? Ist es gar echtes Verständnis? Wem nützt es?