Apple lässt den TIger los
Ab 18 Uhr steht das neue OS X v10.4 in den Verkaufsregalen. In einigen Geschäften können die Macianer bis Mitternacht staunen und shoppen PLANET MACINTOSH ist in heller Aufregung. Wenige Stunden vor dem offiziellen Verkaufsstart des neuen Betriebssystems OS X v10.4, das wohl eher unter dem markigen Begriff „Tiger“ über die Ladentheke gehen wird, unterlaufen selbst geschulten Apple-Mitarbeitern Flüchtigkeitsfehler. Wie der Nachrichtendienst Apple Insider meldet, zeigte die Apple-Homepage bereits am Mittwoch den Launch von Tiger an. „In stores now“ war dort für wenige Minuten zu lesen, dabei geht es ja bekanntlich erst heute Abend los. Das neue Betriebssystem ist der König des Dschungels Ab 18 Uhr wird laut Apple der „Tiger losgelassen“. Deutschlandweit veranstalten über 70 Händler am Freitagabend spezielle Events zum Start von Tiger. „Ab 18 Uhr werden neue Features wie Spotlight und Dashboard die Art und Weise verändern, wie wir mit unseren Computern umgehen“, sagt Philip Schiller, Senior Vice President Worldwide Product Marketing von Apple. Dabei lässt Schiller keinen Zweifel, dass Apple mit Tiger die Vorherrschaft im Betriebssystem-Dschungel übernimmt. „Unsere Konkurrenten werden verzweifelt versuchen, die 200 innovativen Features und Neuheiten in Tiger zu kopieren.“ Medienwirksam hat Apple mehr als 200 Eigenschaften bei dem neuen Betriebssystem entdeckt, die sich als neu und innovativ verkaufen lassen. Aber auch mit dem Verkaufsbeginn in den Abendstunden hat der Computergigant aus Cupertino in Kalifornien die Erwartungen bei den Power-PC-Besitzern geschürt. Mit Tigerfutter die Wartezeit überstehen „Nach unserer Erfahrung mit dem Betriebssystem-Vorgänger Panther erwarten wir einen großen Andrang“, sagt Dr. Markus Brückner, Marketing-Leiter von Gravis Deutschland. Die Handelskette, die auch eine Niederlassung in Wiesbaden unterhält, hat mit 7500 Exemplaren von Tiger mehr als die Hälfte des Deutschland-Kontinents in ihren Verkaufsregalen. „Schon im Vorfeld haben wir Gutscheine an Interessierte verkauft. Die können ab 18 Uhr an speziell eingerichteten VIP-Schaltern gegen das Betriebssystem eingetauscht werden“, erklärt Brückner. Um die wartenden Menschen bei Laune zu halten, werden die Verkäufer Tiger-VIP-Anstecker und Cornflakes verteilen. Passend zum Betriebssytem gibt es Kellogg’s Frosties, die bekanntermaßen den Tiger im Menschen wecken. Trotzdem braucht niemand die Krallen auszufahren, wenn er heute kein Exemplar mit nach Hause nehmen kann. Gravis verteilt an alle, die wider Erwarten bis Mitternacht vor einem leeren Regal stehen, kostenlos ein Exemplar von Apples Foto-, DVD- und Musik-Software iLife. Tiger macht den Nutzer froh – die Familie sowieso So freigiebig ist Mediamarkt Frankfurt nicht. Die Filiale im Nordwestzentrum wird zwar auch versuchen, rund 50 Exemplare des Betriebssystems an die Macianer zu verkaufen, belässt es aber bei einem kleinen Promotionstand, der um 20 Uhr seine Vorführung beendet. Nur der Preis ist in allen Filialen derselbe. 129 kostet die Desktop-Version des Betriebssystem und liegt damit in der gleichen Preisklasse wie eine Version von Microsofts Windows XP Home Edition. Wer gleich seine ganze Familie versorgen möchten, erhält für 199 Euro mit dem so genannten „Family Pack“ insgesamt fünf Lizenzen. Sogar an den Firmeneinsatz hat Apple gedacht und bietet zeitgleich eine Server-Version ab 479 Euro an. Ist der Tiger erst einmal auf einem Macintosh Computer mit PowerPC G5, G4 oder G3 Prozessor installiert, wird sich der Benutzer mit einigen neuen Funktionen vertraut machen können. Nützliche Programme zu ihren Diensten So liefert das neue Betriebssystem mit dem Dashboard eine Sammlung mehrerer kleiner praktischer Miniprogramme – die so genannten Widgets. Sie zeigen beispielsweise Aktienkurse an, aktuelle Wetter- sowie Flugdaten oder rechnen Währungen und Maßeinheiten um. Zu der Palette von Widgets, die Apple für den Einstieg bereitstellt, können jederzeit neue hinzugefügt werden. Durch das Drücken einer Funktionstaste erscheinen sie in kleinen Fenstern auf dem Bildschirm und verschwinden nach Gebrauch so schnell, wie sie gekommen sind. Auch für die verbesserte Kommunikation unter den Macianern hat Apple gesorgt. Mit der Integration von iChat AV ermöglicht Tiger die dreidimensionale Darstellung von Videokonferenz-Teilnehmern. Die Teilnehmer werden auf dem Bildschirm so angeordnet, als würden sie an einem Tisch in einem Besprechungsraum sitzen. Nicht alles, womit der Tiger prahlt, ist wirklich neu Hinter dem Spotlight-Icon verbirgt sich laut Apple eine neuartige Suchtechnologie, mit der alle Dateien und Programme auf dem Mac blitzschnell durchsucht werden. Weil das Programm sämtliche Dateien wie E-Mails, Adressen oder Bilder transparent und im Hintergrund indiziert, werden die Ergebnisse bereits angezeigt, sobald der Anwender den ersten Buchstaben ins Suchfeld eingegeben hat. Wird eine Änderung vorgenommen – beispielsweise eine neue Datei hinzugefügt, eine E-Mail empfangen oder ein Textdokument geändert – aktualisiert Spotlight den Index automatisch. Die Vorzüge der Suchfunktion, die Apple als neu verkauft, sind PC-Nutzern nicht unbekannt. So bieten Google, Yahoo oder MSN ähnliche und kostenlose Suchsysteme für die Festplatte, die nahezu dasselbe können. Wer die Suche nach Informationen auf das Internet ausweiten möchte, erhält mit Safari RSS die aktuellste Version des Apple-Browsers. Hinter RSS – das steht für Rich Site Summary – verbirgt sich die Fähigkeit, so genannte Nachrichten-Feeds in einer werbefreien Liste auf dem Bildschirm anzeigen zu lassen. In den Feeds stellen Nachrichtenagenturen, Blogs oder andere Webseiten Schlagzeilen und Artikelübersichten zusammen. Safari integriert damit eine Funktion die Firefox-Benutzern längst bekannt ist. Der kostenlose Browser der Firma Mozilla zeigt ebenfalls an, ob sich auf einer Website ein RSS-Feed befindet, und meldet, wenn einer der mit einem Lesezeichen versehenen Feeds mit neuen Artikeln aktualisiert wird. Steve Jobs ist schneller als Bill Gates Neben der Integration praktischer Features behauptet Apple auch die Geschwindigkeit von Safari verbessert zu haben. Auf www.apple.com hat das Unternehmen eine Benchmark veröffentlicht, nach der der hauseigene Browser HTML-Seiten viermal schneller aufbaut als Microsofts Internet-Explorer. Ob es Apple-Boss Steve Jobs mit diesen Versprechen gelingen wird, auch den letzten Windows-Abhängigen vom PC zu lösen, dürfte fraglich sein. Mit der Veröffentlichung von Tiger jedenfalls ist Apple dem langst überfälligen Windows-Nachfolger Longhorn zuvor gekommen. Christoph Strobel