Das Verhältnis von Arbeit zu Freizeit oder Warum ich in meiner Freizeit keine Arbeitskollegen sehen will
Nach langer Zeit schreibe ich mal wieder in diesem Blog hier. Ich schreibe deshalb, weil mir etwas auf der Seele liegt und das will ich loswerden. Ich habe immer davor gewarnt, etwas zu persönliches zu schreiben. Aber heute will ich was loswerden. Ob es jemand liest, weiß ich nicht, obwohl ich es mir wünschen würde. Ich würde mich auch über Kommentare freuen. Und, zugegeben, dies ist auch etwas, was ich öffentlich sagen würde. Um es am Anfang gleich klar zu sagen: Meine Arbeit ist nicht meine Erfüllung. Es gibt viele Dinge, die ich lieber machen würde als das, was ich auf meiner Arbeit mache. Aber man braucht halt Geld, um die Dinge, die man lieber macht, eben machen zu können. So gehe ich eben - wie Millionen andere auch - auf Arbeit, um Geld zu verdienen und ich bin jedesmal froh, wenn ich zu Feierabend nach Hause fahren kann. Was mir aber derzeit am meisten auf die Nerven geht, das ist der Punkt, dass ich - wohl aufgrund irgendwelcher Konventionen oder Traditionen - gezwungen werden soll, mein Privatleben und Ereignisse darin mit meinen Arbeitskollegen zu teilen. Um es auf den Punkt zu bringen: Es sind Arbeitskollegen und keine Freunde. Freunde kann ich mir aussuchen, Arbeitskollegen nicht. Ich muss an meinem Arbeitsplatz eben mit jenen Menschen zusammenarbeiten, aber mehr auch nicht. Es geht mir auf die Nerven, dass erwartet wird, dass ich mit jenen Menschen auf noch meine Freizeit verbringe. Oder dass ich meinen Geburtstag mit jenen Menschen feiern soll, also Kuchen, Getränke etc. ausgeben soll, für einen lauwarmen Händedruck mit Personen, mit denen ich nicht meine persönlichen Feiertage teilen möchte. Leider kann ich nicht an jedem Geburtstag Urlaub nehmen oder krank werden. Ich will diesen Tag mit den Menschen verbringen, die mir etwas bedeuten, die mir wichtig sind, und dazu gehören meine Arbeitskollegen eindeutig nicht. Ich habe das Recht, solche Dinge zu verschweigen. Ich war schon froh, dass aus Datenschutzgründen die sogenannte "Pralinenliste", also die Liste mit den Geburtstagen der einzelnen Kollegen, abgeschafft wurde. So habe ich dieses Jahr meinen Geburtstag einfach verschwiegen. Es ging auch gut, bis leider zwei Tage danach meine Vorgesetzte - wohl in einem Anfall von plötzlicher Fürsorgepflichterfüllung - mir nachträglich zum Geburtstag gratulierte. Da fühlten sich dann einige weitere Kollegen verpflichtet, mir die Hand zu schütteln. Warum ich nichts gesagt hätte, wurde ich kurz gefragt. Weil ich so schüchtern bin war meine Antwort. Das war nicht die korrekte Antwort. Ich hätte sagen sollen, dass ich meinen Geburtstag für privat halte und ich für die strikte Trennung von Beruf und Privatleben bin. Das wäre die Wahrheit gewesen. An diese Trennung habe ich gehalten und halte mich auch weiter. Ich habe keinen ausgegeben für meinen Geburtstag. Und um das klarzustellen: Ich habe auch kein Interesse an den Geburtstagen meiner Kollegen. Ich habe kein Interesse an ihrem Privatleben. Das soll nun nicht bedeuten, dass ich diese Menschen nicht leiden kann. Nein, absolut nicht. Nur gibt es eben Menschen in meinem Leben, die mir wichtiger sind. Ich helfe meinen Arbeitskollegen in Bezug auf die Arbeit. ich tausche mich mit ihnen aus, was die Arbeit betrifft. Aber Dienst ist Dienst und Privat ist Privat. Dienstlich tausche ich mich mit meinen Kollegen aus, aber alles aus dem privaten Bereich soll auch privat bleiben. Meine Abneigung geht auch dahin, dass ich sowas wie Betriebsfeste hasse. Ich halte Betriebsfeste, Weihnachtsfeiern etc. für das Überflüssigste, was es gibt. Vielleicht kommt es von den Dingen, die ich auf diesen Festen gesehen habe. Betrunkene Abteilungsleiter können es nicht lassen, die weiblichen Mitarbeiter - insbesondere die Auszubildenden - anzugrabschen und anzubaggern. Sie halten sich ja für so unwiderstehlich. Oder Männlein und Weiblein verschwinden mal mehr oder weniger diskret von der Veranstaltung, um mal kurz ..... (der geneigte Leser wird wissen, was ich meine.) Man sagte dazu, dass die beiden wohl eine Buschkarte gekauft hätten. Tut mir leid, ich finde das widerlich. Nicht aus moralischen Gründen, sondern weil ich sowas verlogen und abscheulich finde. Aber selbst wenn so etwas nicht passiert, so fühlt man sich doch gezwungen, an solchen Festivitäten teilzunehmen, weil man ansonsten als verschroben gilt, als nicht sozial kompetent oder wer weiß noch was. Doch was sind diese Feste? Doch nichts weiter als die Fortsetzung des Arbeitstages mit anderen Mitteln. Es wird hauptsächlich über die Arbeit geredet. Und meine Privatsphäre geht niemanden etwas an, siehe oben: Beruf ist Beruf und Privat ist Privat. Wieso sollten mich die Angelegenheiten meiner Kollegen interessieren? Sie tun es nicht. Es ist mir einfach scheiß egal, was sie in ihrer Freizeit machen, wie es dem Hund oder der Oma geht, ob das Kind in der Schule ein As ist oder sonst was. Ich will es nicht wissen und genauso gehen meine Angelegenheiten niemand was an. Warum soll ich meinen Kollegen oder meine Kollegin besser kennenlernen? Ich will da niemanden heiraten. Wenn sich durch Zufall ergibt, dass man ähnliche Interessen hat (z. B. man trifft sich im gleichen VHS-Kurs oder so), dann ok, aber ansonsten... Leider stehe ich wohl mit dieser Meinung allein. Es gibt anscheinend nicht viele, die diesen Standpunkt teilen. Oder vielleicht doch nicht? Vielleicht liest doch der eine oder die andere diesen Eintrag und ich bekomme einen Kommentar oder so. Auf jeden Fall geht es mir jetzt besser, wo ich dieses mal niedergeschrieben habe. Ich denke, ich werde wohl den Rest meines Arbeitslebens allein durchstehen müssen, aber das ist wohl der Preis dafür, dass ich Arbeits- und Privatleben strikt trenne.