Der Beginn
Nachdem ich das Internet nicht nur zum Suchen sondern auch zum Finden verwende, mich manchmal einfach gehen lasse und frei herumklicke, bin ich auf diese Seite gekommen. Und da mir ein großes Mitteilungsbedürfnis innewohnt, habe ich die Chance ergriffen und einmal - endlich - mein eigenes Blog begonnen, wissend, dass es außer mich wahrscheinlich niemanden interessieren wird. Meine Zeit ist im Moment, oder besser gesagt, dieser Moment dauert beinahe schon ewig, voll verplant. Tagsüber gehe ich meinem Broterwerb nach, am späten Nachmittag und frühen Abend ist die eigene Familie mein Lebensmittelpunkt, spätestens aber wenn die Nacht den Kampf gegen den Tag zu gewinnen beginnt, strebt jede einzelne Faser von mir danach, mich mit künstlerischen, darstellerischen, Tätigkeiten zu beschäftigen. Aktuell ist die Schauspielerei (oder das, was ich davon fähig bin) mein Mittelpunkt, der mich, kurz vor der Premiere am 15.4.2005, auch tagsüber nicht mehr loslässt. Macbeth - eine heftige Angelegenheit, getrieben, treibend, bis zum Ende. Schlaflosigkeit, Mord, Blut, Gier, Macht - eine Sprache, die einen nicht mehr loslässt. Ein Stück, das einen mehr und mehr in seinen Bann zieht. Eine Gruppe von Personen, die sich immer stärker in den Strudel der Shakespearschen Windungen ziehen lässt. Die SchaubühneGRAZ ist das bestimmende Element meiner derzeitigen Tage. Daneben gibt es natürlich auch noch die diversen Bands, in denen ich mitwirke und die auch meine Aufmerksamkeit einfordern. Die Blues Phunxs sind dabei, eine neue Demo-CD aufzunehmen, da sich die Besetzungsliste dieser Gruppe geändert hat und damit auch die Setlist (sowie die Stimme des Sängers). Blossom arbeitet auch an einem Erstling. Sonett ist dabei, endlich das Licht der Konzertbühne zu erobern und Dunkelbunt ist ein Projekt, dem letztlich meine Herzblut am meisten gilt. Doch davon in den nächsten Tagen mehr. Macbeth Wenn man Macbeth zu lesen beginnt und das in der traditionellen deutschen Version in der Übersetzung von Dorothea Tieck aus dem Jahr 1849, dann versteht man im Normalfall maximal die Hälfte von dem, was sich einem da eröffnet. Die Sprache verdreht, immer wieder mit Übersetzungsfehler durchzogen, dauert es, bis man sich in diesem Sprachrhythmus wohl zu fühlen beginnt. Sobald man aber den ersten Schritt geschafft hat, kommt man nicht mehr heraus. Das Interesse gilt auch bald den originalen Versionen des englischen Dramatikers und man entdeckt die Lust am Formulieren. Einzig die langsam aber stetig immer stärker einsetzende Nervosität vor der Premiere hält mich davon ab, schon jetzt auch die anderen Stücke zu lesen, bzw. anzusehen, da meine DVD-Sammlung innerhalb der letzten Wochen um einige Shakespeare-Verfilmungen und -Adaptionen reicher geworden ist. Wenn man sich mit dem Wahn, der Macbeth befällt, auseinanderzusetzen beginnt, nimmt man selber irgendwann seine Umwelt nicht mehr mit seinen eigenen Augen wahr. Gefährlich einerseits, da man sich in einer Scheinwelt zu verstricken beginnt, spannend aber auch, da es einfach Spaß macht, sich gegenseitig mit Zitaten aus dem Stück zu unterhalten, diese hernimmt und mit einer nicht mehr zu beschreibenden Lust zu verdrehen beginnt um immer wieder neue Variationen entstehen zu lassen. Doch davon genug. Für den ersten Eintrag sollte dieser Wust an Worten (Wörter für den, dem sich die Zusammenhänge nicht erschließen) genügen. "so foul and fair a day, I have not seen" - so schlecht ein Tag, so recht ein Tag, das gab's noch nie. Aber so schlecht ist er nicht, aber auch nicht so recht. Einfach ein Tag in meinem Leben. "Komme was kommen mag". Genau. Man sollte die Tage genießen. Nein. Nicht sollte. Man soll den Tag genießen. Das Leben ist zu schön um es sich selbst hässlich zu machen. Michael