Deutschsein für Ausländer - Konzepte
Neulich habe ich gesagt, die Deutschen waren gerne Zuhörer bei Hegel und Heidegger, aber heute trifft man sie nur bei ALDI. ALDI ist zwar kein Philosoph, aber es geht dor auch nur um Schein und sein, dass heißt, die Wahrheit spielt sich inzwischen an PC-Kassen ab und wir zählen lieber, als kryptische Sätze zu lesen. Wenn alles in die Plasticktüten eingepackt ist und die Rechnung bezahlt, dann sitzt der Deutsche zu Hause und sehnt sich nach dem Sinn. Das erklärt sich meist, weil der Deutsche an sich nicht mehr kapiert, dass ein Kilo Mehl nur 1,- € kostet, während die Pizza im Dreierpack "nur" 2,00 € kostet und er so zwei Stunden Zeit gewonnen hat. Zeit, in der er darüber nachdenkt, warum sein Partner heute wieder eine Stunde später nach Hause kommt. Jeder Mensch bei Verstand würde das Kilo Mehl kaufen und für den Rest noch billigen Käse und ein paar geschälte Tomaten. Aber der Deutsche tickt anders. - Während ein normaler Mensch das Mehl und den Rest Hefe zu einem Teig kneten würde, die zermanschten Tomaten draufknallen würde und den Käse, nicht ohne seine Ofen auf 250 Grad aufzuheizen, auf dieser Masse verteilen würde, um sich so eine Stunde zu beschäftigen, wartet der Deutsche auf seinen Partner und schiebt dann, wenn der endlich zu Hause angekommen ist, vorwurfsvoll und vollkommen unbefriedigt die Fertig-Pizza in den Ofen und verwickelt den Partner in eine lange, lange Diskussion über...die Globalisierung. Und dann geht es um arme italienische Tomatenbauern, auf deren Dosen der Deutsche heute wieder einmal verzichtet hat, obwohl es doch auf dem Etikett steht, dass das Zeug aus Italien kommt, weil er Frust schieben musste, den Käse, der auch dem Frust zum Opfer gefallen ist und das Mehl und die Trockengewürze. Und es ist Winter. Und während die Produzenten am Hungertuch nagen, weil der Deutsche sich besinnen muß, hat der Deutsche eine Idee: Wie wäre es, wenn man den armen italienischen, spanischen, mongolesischen Tomaten-Bauern helfen würde. Dann schreibt der Deutsche eine Doktorarbeit am Lehrstuhl für alternative landwirtschaftliche Frauenheilkunde und der Professor, der das ließt, fragt sich ab Seite 50, wo bleibt heute meine Frau? Dann geht er in den Supermarkt, kauft sich Fertigpizza und sagt seiner Frau, wenn sie nach Hause kommt: "Warum essen wir jeden Tag diese Scheiße, ich habe da ein gutes Konzept und ich weiß auch schon, wem ich es schicke." Und dann schickt er es einem Politiker und das Spiel geht von vorne los. Vorsicht: Deutsche sind sehr konzeptstark.