Die Oups-Bücher - Kleiner Kult oder illustrierte Banalitäten?
Oups, ein kleiner Cartoon-Außerirdischer, blickt von seinem fernen Planeten traurig auf die Erde der Menschen herunter. Überall sieht er Streit, Unzufriedenheit und Kriege. Darum reist er zur Erde und bringt den Menschen zwei Geschenke: Liebe und Freude. Nun liegt es an uns, diese Geschenke auch anzunehmen. Begonnen haben die Cartoon-Geschichten um Oups mit dem Buch "Oups vom 'Planet des Herzen'", das mit dem "Goldenen Buch" ausgezeichnet wurde. Allerdings sagt dieser Preis nicht allzu viel aus: Der Verlag kann ihn beim Hauptverband des Österreichischen Buchhandels für 210 Euro (bzw. 420 Euro für Nichtmitglieder) ganz einfach kaufen. Es ist ein Dankeschön, das den Autoren für mehr als 25.000 verkaufte Exemplare verliehen werden kann und das eine Analogie zur "Goldenen Schallplatte" der Musikindustrie darstellt. Inzwischen gibt es eine Vielzahl weiterer Oups-Bücher, -Büchlein und Merchandising-Artikel. Allesamt illustriert von Conny Wolf und getextet von Kurt Hörtenhuber. Die Marketing-Maschine läuft auf Hochtouren. Leider bleibt bei dieser "Massen-Reproduktion" des ersten Erfolgs die Qualität der Inhalte an vielen Stellen auf der Strecke, scheint mir. Ein und derselbe Grundgedanke lässt sich wohl doch nicht beliebig oft neu aufbereiten, ohne zu verwässern. Die Cartoons sind durchweg hübsch und eingängig. Die Texte kurz und schnell weggelesen. Und natürlich: Die grundlegenden Wahrheiten des Lebens sind einfach, meist sogar in einfachen Worten auszudrücken. Und manche Wahrheit klingt banal, wenn sie ausgesprochen oder niedergeschrieben wird. Aber das Meiste von dem, was ich da lese, habe ich bei "Der Kleine Prinz" oder bei der "Möwe Jonathan" oder einem ihrer vielen Verwandten schon deutlich besser gelesen. - Hier nur ein paar willkürlich herausgegriffene Texte und mein Kommentar: "Kopf hoch, bald geht es wieder aufwärts." - OK, das schreibe oder sage ich vielleicht einem Freund, der gerade traurig ist. Aber als Lebensweisheit würde ich das nicht verkaufen. Da gefällt mir das allabendlich ausgesprochene und inzwischen recht abgegriffene "Alles wird gut!" doch um Längen besser. Oder: "Um die Quelle des Glücks zu finden, muss man manchmal gegen den Strom schwimmen." - Das sagten schon die alten Chinesen und dieser Spruch wurde vielfach abgewandelt: Nur wer gegen den Strom schwimmt, gelangt zur Quelle. Das hatten wir doch schon. Und nur weil das Wörtchen Glück mit eingebaut wird, wird's nicht origineller. "Du brauchst Gefühle nicht verdecken, um sie vor andern zu verstecken." - Hm, aber was soll ich denn sonst machen, um meine Gefühle zu verstecken? Entschuldigung, aber da ist für mich vor lauter Reimen der Sinn auf der Strecke geblieben. Und so ging es mir beim Durchblättern der aktuell angebotenen kleinen Büchlein auf fast jeder Seite, von wenigen Ausnahmen abgesehen. Mag sein, dass mir der Sinn nicht nach B&B (Binsenweisheiten & Banalitäten) steht. Bestimmt haben auch diese Bücher ihr Publikum. Aber mich hat's nicht überzeugt. Wer es trotzdem einmal wagen möchte, sollte wohl am Besten beim Ursprung beginnen und das erste Buch dieser Spezies kaufen: Oups vom 'Planet des Herzen' Allen anderen empfehle ich, doch lieber folgende Büchlein mal wieder auszugraben oder zu verschenken: Der Kleine Prinz Die Möwe Jonathan Pu der Bär Oder aber mein Lieblingsbuch: Tao Te Puh