die reisen des jungen jörg

23.7., airport beijing: und wieder ist es soweit – ich habe pekinger luft geatmet. zwar nur ganz kurz, aber irgendwie ist es ja schon eine art tradition geworden, die dabei auftretenden gefühle einzuordnen und zu speichern. also, dieses mal war es im prinzip in ordnung. bestimmt nicht sauber, bestimmt ganz schön schwül (zumindest für die unchristliche uhrzeit mitten in der nacht), aber vielleicht gleichgültig. oder ich war einfach von der müdigkeit so geplättet, dass ich zur zeit meine gefühle nicht einordnen kann. egal. ich freue mich jetzt auf die nächste zeit, erstmal auf urumqi gleich. ah, mit ein wenig musik läuft es gleich noch besser. sehr schön auch, um mich herum lauter wartende menschen zu haben, die nach kebab und trauben aussehen... das gefällt. der flug eben mit air china von frankfurt war akzeptabel. natürlich gab es lauter herumwuselnde kleinwüchsige, aber mein (deutscher) nachbar machte einen netten eindruck und wir haben uns prima unterhalten. ach ja, und es lohnt sich doch immer wieder, früh am schalter zu sein. beinfreiheit rockt ungefähr soviel wie entre dos tierras! 11.08., hotelbett hubingge, urumqi: erstmal nachtrag von beijing: 4 stunden verspätung ohne ersichtlichen grund nach einer nacht ohne schlaf rockt auch. kurz nach dem oben geschriebenen war auf einmal ein immenses gewusel im gange, so dass selbst ich mich erhob, um nach dem grund zu schauen. jedenfalls kam ich so erst nach 28 stunden in urumqi an. und niemand war mehr am flughafen dort. also habe ich mich ins taxi gesetzt und bin zur uni gefahren. hat trotzdem letztendlich alles funktioniert, und ich war wieder angekommen. und dann? warum schreibt der jörg nix neues? ganz einfach. weil wir erst vorgestern aus der wüste wieder zurückgekommen sind. 26.7.-9.8., mein lieblings-arghan. hat ein wenig von seinem glanz verloren. es waren zu viele chinesische arbeiter vor ort, die einem in ihrer doch etwas lauten art nicht das gefühl von ruhe und einsamkeit in der wildnis gegeben haben. leider, denn genau mag ich so an der wüste. wenn man aber einen nachbarn hat, der so oft durch die gegend rotzt wie ich atemzüge mache, dann wird’s grenzwertig. willkommen in china! zudem lief die (zusammen)arbeit etwas schleppend. nicht zuletzt war das wetter auch eigenartig. viel zu viel wind, der dann viel zu viel sand transportiert. bleibt man unvorsichtigerweise fünf minuten am fleck stehen, findet man sich inmitten einer halbausgewachsenen wanderdüne wieder. dafür sind an solchen tagen die temperaturen (draussen) mit 37°C erträglich. dumm nur, dass man eigentlich kaum raus kann, und drinnen wird es sehr unangenehm heiss, weil die fenster zu bleiben sollten. sonst auch drinnen wanderdüne. und wenn der wind wegblieb, dann war es gleich sehr sehr warm. gemessen haben wir mehr als 45°C im schatten. wobei schatten in der wüste – naja, geht so. der boden hatte einmal 72°, und das war gar nicht mal zur heissesten tageszeit. alles in allem schwitzt man halt durchgängig. ohne dusche wohlgemerkt! sogar mein schweiss hat geschwitzt. ihr glaubt gar nicht, wie angenehm es ist, nach zwei wochen wieder fliessend wasser zu haben! immerhin habe ich nach der dritten nacht draussen ein eigenes zelt gehabt – keine mäuse und skorpione (hab wieder getötet) mehr. höhepunkt des aufenthaltes war sicherlich der wüstenmarsch. wir hatten auf dem satellitenbild eine interessante fläche entdeckt, zu der wir uns aufgemacht haben. problem: die lag 10 km in der wüste hinter den ersten richtigen dünen (halt so, wie man sich die wüste vorstellt, sie aber meist nicht ausieht). somit waren wir natürlich alle sehr schnell begeistert. im nachhinein war es auch genial, aber ich glaube, dass ich nach dem tagesmarsch so fertig wie selten zuvor war. wir hatten eigentlich alle zu wenig wasser dabei, und ich musste am ende mein wasser sogar noch teilen. dabei hatte ich nur drei liter mit. eigentlich unverantwortlich, aber ich trinke ja eh nie so viel. in der wüste allerdings waren es bei mir täglich etwa 6 liter (nur trinkwasser)! und – das mag jetzt nicht alle interessieren – trotzdem ist es vorgekommen, dass ich in 24h nur einmal pinkeln musste. und ich durfte meinen geburtstag in arghan feiern. war aber im prinzip ein normaler tag, abgesehen von den glückwünschen. das war so auch vollkommen in ordnung, denn sonst hätte es bedeutet, dass ein schaf/ eine ziege für mich geschlachtet wird und dann kräftigst dazu getrunken wird. das habe ich aber sofort blockiert – und es hat funktioniert. somit haben wir uns auf warmes bier beschränkt (qing tao bier ist nicht qing dao bier – merken!). noch etwas. auf der hinfahrt sind wir natürlich wieder über korla gefahren. mittlerweile bin ich (ausser mit dem fahrrad und zu fuss) auf jede erdenkliche art und weise dorthin gelangt. diesmal mit dem nachtzug (2. klasse). 13 stunden fahrt für ca. 9 euro. und es war ein schönes erlebnis. die rückfahrt haben wir mit alishirs wagen in angriff genommen. aber nicht die neugebaute autobahn entlang, sondern, nachdem wir uns nach den strassenverhältnissen erkundigt hatten, über die passstrasse im tian shan. alle achtung! mit der höhe wurde es richtig grün, frisches (?) gletscherwasser im fluss, blumen – all das, was die wüste so eher nicht ausmacht. irgendwann kam dann schnee in sicht. der pass selbst lag auf 4280m höhe, das erste mal, dass ich auf dieser höhe war. aber für so kurze zeit kein problem. die luft war zwar merklich dünn, aber alles kein thema. natürlich gab es eine grandiose aussicht, schade nur, dass meine kamera nach dem wüstensand wieder mal zickig war. somit muss ich morgen von alishir seine bilder besorgen. mittlerweile sind wir also schon längst wieder in urumqi. den ersten tag haben wir in einem neu eröffneten sauna- und massagetempel verbracht. was seriöses für die ganze familie. ab 4 euro hat man dort 24 stunden eintritt und kann sogar das grosse buffett leerspachteln – vorausgesetzt, man lässt die rücksichtslos wuselnde horde chinesen hinter sich. passt schon. wir waren glaube ich 7 stunden dort, und hinterher fühlte ich mich richtig sauber. leider konnte ich meiner massagemaus nicht klarmachen, dass ich vorher in der wüste war, sie war doch sehr erschreckt ob des ganzen schmocks, der sich da von mir löste. zumindest habe ich ihre ungläubig weit geöffneten augen so gedeutet. also kein gutes bild abgegeben. naja, egal.