EIN ZEPPELIN VOM LIEBEN GOTT
Hin und wieder, wenn ich mich Samstagnachts nicht auf Ruhrgebiets-Friedhöfen herumtreibe,um mir mit gleichgesinnten Gothic-Brüdern und -Schwestern gegenseitig die Gesäßbacken zu versohlen, bin ich Sonntags schon etwas früher auf und durchaus in der Lage, meinen Fernsehempfang mittels Fernbedienung vom ersten in das zweite Programm zu wuchten. Dort läuft dann der, unter uns Kennern als Preziose empfundene, Fernsehgarten, der früher so nett von Illona Christensen nicht bloß anmoderiert, sondern gar angesungen wurde. Heute wird das Medien-Event von Andrea Kiewel beschnattert, die sich jovial und burschikos beim Zuseher einhakt und ihn herzlich durch die inszenierte Wundertüte geleitet, wie einen gemütskranken Patienten durch den Klinikgarten. Vielleicht ist sie als Kind einmal in einen Kessel Buntes gefallen oder hat sich den Frühstücks-Frischkäse durch die Nase eingesogen, jedenfalls besticht sie gelegentlich durch äußerst aktive Absencen: So konnte ich neulich nicht nur live erleben, daß das Wetter in Mainz wesentlich besser war, als in Berlin, sondern auch, daß “Kiwi”, wie Fans und Wissenschaftler sie zu nennen pflegen, mittenmang ihre Moderation unterbrach, aufgeregt gen Himmel deutete und in einer Stimmlage, mit der man sonst seiner Hauskatze eröffnet, daß es gleich “Lecker, lecker” geben werde, ausrief: “Guckt mal da oben - EIN ZEPPELIIIIIN ! Ooooaah - den hat der liebe Gott geschickt...!” Jawohl...! Oder womöglich der Teufel, das FBI, Neun live, die Russenmafia, Osama Bin Laden, Rudolph Moshammer selig... ? Wer weiß das schon. Schauen Sie auch nächste Woche wieder vorbei in der “Twilight Zone” ! Erstaunlich und daraufdeutenswert fand ich übrigens, daß ich auf der Suche nach der richtigen Schreibweise von “Pretiosen / Preciosen / Preziosen” (korrekte Schreibweise siehe weiter oben) das Wort “Prepaidkarte” im “Wörterbuch der deutschen Sprache” entdeckte. Das ist, als beträte man eine alte Kirche und entdeckte dort, in Gebetshaltung versunken, Dieter Bohlen und seinen Spezl “Party-Ammer” mit prallgefüllten “WOOLWORTH”-Tüten im Klammergriff. Widerführe einem dies, würde man aber nicht auf die Boulevard-Ikonen deuten, wie Doanld Sutherland am Ende des Filmes “Die Körperfresser kommen”, sondern sie würdevoll ignorieren, keine Miene verziehen, Pokerface bewahren, während es im Schädelinneren ratterte “WASMACHENDIEDA? WASMACHENDIEDA????” (Um Mißverständnissen vorzubeugen, möchte ich betonen, daß weder Ammer, noch Bohlen in besagtem Film erscheinen, sondern lediglich ähnlich Ekliges) Donald Sutherland sagte übrigens einmal während eines Deutschlandaufenthaltes: “Ach” und es ist nicht überliefert, ob er damit die aktuelle Imbiß-Unsitte meinte, zu jeder Currywurst einen Champagner anzubieten. Das eine bekommt man nämlich mittlerweile kaum noch ohne das andere. Trendforscher würden es “Trend” nennen. Bergsteiger, Transvestiten, Bestattungsunternehmer vermutlich auch und Kaugummifabrikanten eventuell einen “Big chew”: Etwas Einfaches mit etwas Kostbarem zu kombinieren ist “in Mode” ! Doch wundert es, daß diese Kombination nicht auch andersherum funktioniert und zum Beispiel Hummer mit River Cola, oder Trüffel mit CapriSonne am Marktstand feilgeboten werden. Warum ? Darum ! Als ich vor einigen Tagen bei einem Tetra-Pak Burgunder und einer Handvoll Sushi mit Jo Brauner über die unerträgliche Leichtigkeit des Seins reflektierte, erinnerten wir uns an die Tanzkapelle “Nirvana” und das traurige Ende ihres Sängers Kurt. Auf MTV sah ich einmal eine Dokumentation zu diesem Thema, in welcher der Sänger und Autor Henry Rollins äußert, daß er zu Zeiten von Cobains Tod haufenweise eMails von Cobain-Fans erhalten habe, die wissen wollten, was sie denn nun tun sollen.... Kann man ja mal machen, oder sich gleich beim Bundeskanzler beschweren, wenn das Wetter mal nicht grilltauglich ist. Ich fragte mich, ob wohl auch Monica Peitsch oder Herbert Herrmann solcherlei virtuelle Hilferufe ereilen, wenn Wolfgang Spier das Zeitliche segnet, oder sich Ingrid Steger eines Tages die Flinte gibt. Aber genug der fröhlichen Gedanken - kommen wir zu etwas Ernsthaftem: Der Dalai Lama war zu Gast in Wiesbaden, weil er von seinem “FREUND” Roland Koch eingeladen war, sich als Imageaufwerter für ebendiesen Kriminellen instrumentalisieren zu lassen. Und er kam, wie er zu all seinen anderen Freunden kommt, z.B. George Bush, Berlusconi oder Dolly Buster. Eigentlich hat Herr Lama NUR Freunde, man sollte sich nur rechtzeitig in die Liste eintragen und die Kosten aufbringen können, ihn standesgemäß unterzubringen. So werden wir ihn vermutlich eines Tages auf dem Wiener Opernball sehen, in der Loge von “Mörtel” Lugner und seiner Frau “Mausi” (“gute Freunde”), oder beim Empfang “20 Jahre Dart-Regionalliga”. Vielleicht muß man daher gar keine Bauklötze staunen, sondern lediglich Ministeck, wenn man ihn Samstagnachts auf Ruhrgebietsfriedhöfen beim Hinterbacken-Versohlen antrifft. Den Dalai Lama hat eben der liebe Gott geschickt, damit jeder auf der Welt einen Freund hat und das ist doch eigentlich schön.....