El Cimmarón - Musiktheater im Revier
Gelsenkirchen 19.02.05 Kleines Haus 20:00 Uhr El Cimmarón Biographie des geflohenen Sklaven Esteban Montejo Rezital für 4 Musiker (1969/70) von Hans Werner Henze Text aus dem Buch von Miguel Barnet übersetzt und für Musik eingerichtet von Hans Magnus Enzensberger In Zusammenarbeit mit der musikFabrik NRW Mitwirkende Lesung: André Wülfing -Sprecher El Cimmarón: Laurence Albert - El Cimmarón Helen Bledsoe - Flöte Jürgen Ruck - Gitarre Stephan Meier - Schlagzeug Askan Geisler - Einstudierung Volker Erdmann - Szenische Einrichtung Eine kurze Einführung: Estebán Montejo, genannt El Cimmarón (*1860), war 103 Jahre alt, als ihn Miguel Barnet auf Kuba aufsuchte, ihn Monate lang über sein Leben befragte und schließlich dessen Biographie verfasste. El Cimmarón, kreolisch für "entlaufenes Vieh", hochintelligent, sprachgewandt, berichtete aus seinem Leben als kubanischer Negersklave, der sich jahrelang in den Bergen versteckte und sich dem Befreiungskrieg gegen die spanischen Kolonialisten und die amerikanische Invasion anschloss. 1968 machte Hans Magnus Enzensberger auf diese Biografie aufmerksam, übersetzte und richtete den Text für Musik ein. "Seine Stimme hatte den melodiösen Klang, der jeden Augenblich in Singen überzugehen scheint, wie man ihn bei Kreolen findet", erinnert sich Henze an seine persönliche Begegnung mit El Cimmarón. Montejos Erinnerungen werden vom Bariton Laurence Albert gesungen und rezitiert. Zur musikalischen Umsetzung gehören neben Kettenrasseln auch höchst artifiziell komponierte Musikpassagen für die Kombination von Flöte (Helen Bledsoe), Schlagzeug/Perkussion (Stephan Meier) und Gitarre (Jürgen Ruck). Von den Instrumentalisten, die ebenso Protagonisten sind wie der Bariton, wird eine echte schauspielerische Leistung gefordert. Eigene Sicht: Absolut beeindruckend! 120 Minuten, die einen mitreißen. Gefühle wie Wut, Trauer wechseln sich ab mit Passagen bei denen man sich eines Lächelns nicht erwehren kann. Eine Glanzleistung von Laurence Albert, dessen Stimmvolumen mehr als beachtlich ist. Die Umsetzung des Textes von Henze ebenfalls eine Leistung, die, ob der nicht ganz so einfach zugänglichen Thematik, mehr als gut gelungen ist. Es dauerte nur Minuten, bis man von dem Thema gefangen war und nicht mehr loslassen konnte. Wer die Möglichkeit hat, dieses Rezital zu sehen, zu hören und zu fühlen, der sollte nicht zögern. Kein leichter Stoff, aber meines Erachtens nach fast ein Muss!