Ende einer langer Reise

5.4.2006 Melkbosstrand - Cape Town 34km 98Hm Eine Sparzierfahrt nach Cape Town. Gegen 10.00 fruehstueckte ich an der Atlantikkueste. Wer hier badet muss schon sehr hart gesotten sein. Mehr als 10-12° hat das Wasser nicht. MIt HIlfe meines GPS ist es ein Kinderspiel das Backpackers zu finden. Cape Town schmiegt sich an den schuetzenden Tafelberg wie eine Blumenwiese. Geschuetzt vor den rauhen Winden der Antarktis, liegt sie in einer Bucht dem Norden zugewandt. Verkehrte Welt, denn die Sonne steht tatsaechlich im Norden. Am Ende meiner Reise passieren immer wieder meine Erlebnisse, meine Gespraeche mit den Einheimischen, mit den Schwarzen und mit den Weissen meine Gedanken. Auf viele Fragen finde ich keine Antwort. Wie viel habe ich verstanden von der Lebensphilosophie der einzelnen Voelker. Eines kann man auf jeden Fall mit Gewissheit feststellen. Die Afrikaner sind mehr mit Boden und der Natur verbunden. Dinge, die fuer uns so wichtig sind, sind zwar ganz angenehm wenn man sie besitzt, falls sie aber den Geist aufgeben oder man neue Betriebsstoffe fuer diese Geraete braucht, verlieren sie schnell an Bedeutung. Stress und Hektik sind in Afrika ein Fremdwort. Alles dauert eben etwas laenger oder passiert gar nicht. Alles was nicht unbedingt lebensnotwendig ist kann warten, ist unbedeutend. Diese Tatsache ist fuer uns Westler einfach befremdlich. Welche der Lebensweisen nun wirklich die bessere ist muss jeder fuer sich entscheiden. Ist es die erdverbundene Lebensweise der Afrikaner, die lieber den Tag in der Sonne oder im Schatten geniesen, oder die hektische Lebensweise der westlich sozialisierten Welt, die durch die Dinge bestimmt wird. Mit einem Wort es ist der Unterschied zwischen Haben und Sein. Gibt es nicht noch eine weitere grundsaetzluche Lebensweise, die die sich nur geistigen, religioesen, philosophischen Gedanken widmet. Eines kann ich auch feststellen, diese Reise war eine sehr erdige Angelegenheit, gepraegt vom Sein. Das Sein bestimmt den Lebensrythmus, jeder Tag bringt Neues, Unerwartetes. Den Menschen denen man begegnet, mit denen man fuer einige Stunden spricht trifft man mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit kein zweites Mal im Leben. Ebenso die Staedte, Doerfer und Landschaften, sie kommen und ziehen an einem vorueber wie ein Film. Diese Erlebnisse lassen sich nicht konservieren. Und doch veraendern sie einen, wie auch wir diese Landschaften durch unsere Spuren veraendern. Keine Fernsehreportage vermag diese Wechselwirkung zu vermitteln. Ein Sternenhimmel in der Wueste ist unbeschreiblich schoen. Die unendlichen Weiten der Wuesten, Steppen und des Buschlandes nehmen einen gefangen, zeigen wie unbedeutend doch ein Individuum ist, wie gross und weit die Welt doch sein kann. Die Begegnung mit all den hier im Busch und in der Steppe lebenden Tieren zeigen wie vielfaeltig hier die Natur ist. Sicher Loewen sind mir nicht ueber den Weg gelaufen, dafuer so manch kleineres Tier, das nicht so spektakulaer ist, aber fuer mich nicht weniger interessant. Manch einer mag denken, dass es schwierig ist im Busch zu uebernachten, bei all den Krabbeltieren, Insekten, wilden Tieren. Wie eine Membran schuetzte mich mein mir lieb gewordener M-Dom. Sonlange das Wetter stabil war benutzte ich ausschliesslich dieses Teil. Es ist einfach luftiger und man sieht was um einen herum passiert. Es faellt schwer wieder ins normale Leben zurueckzufinden, gewoehnte ich mir doch eine komplett andere Lebensweise an, die zugegebenermassen ein wenig verbuschter ist. Manchmal kam tagelang kein Wasser auf die Haut, und wenn dann oft nur kaltes Wasser in einem Verschlag, da wuerde man zu Hause noch nicht einmal seinen Hund waschen. Es kommt nur mehr auf das Wesentliche an. Reduktion in allen Belangen. Besinnung auf das Wesentliche. Selbst beim Essen verkamen die Mahlzeiten teilweise dazu irgende eine Form von Energie zu sich zu nehmen. Geschmack, die Art der Zubereitung, das teilweise nicht gerade saubere Geschirr in denen serviert wurde kuemmern nicht mehr. Immer wieder werde ich gefragt ob ich nich ans Aufgeben gedacht hatte. Das war fuer mich eigentlich nie ein Thema. Selbst wenn ich mich manchmal in scheinbar ausweglose Situationen manoeveriert hatte, wusste ich immer einen Weg wie ich da wieder heraus komme. Manchmal musste ich ueber mich lachen, so dumm zu sein, mich in solche Situationen zu bringen. Auch eine Erkenntniss die ich gewann ist die, dass es unglaublich schwer ist umzukehren. Woran liegt das? Die einzige Antwort die mir dazu einfaellt. Den vermeintlichen schweren Rueckweg kennt man bereits. Den vor einem liegenden Weg eben nicht. So siegt eben meist die Hoffnung auf eine Besserung der Bedingungen. Erst wenn man so richtig tief im Schlamassel steckt wird einem die Situation richtig bewusst. Nur Aufgeben darf man nie. Oft sind es genau diese Erlebnisse die die tiefsten Eindruecke hinterlassen. Grenzwertige Situationen fordern den Lebenswillen heraus, zeigen welche Kraefte und Willenskraft in einem steckt. Glaubt man dass man dann keine Augen mehr fuer die Natur hat der irrt. Genau in diesen Situationen begegnen einem die Tiere, die Natur mit besonderer Intensitaet. 6.4.2006 Cape Town 18km 450Hm Den gestrigen Tag haette ich noch auf den Tafelberg gehen sollen, weil das Wetter unglaublich gut war. Heute war es leider nicht mehr so gut. Teilweise war der Tafelberg in Wolken gehuellt. Ich fuhr trotzdem rauf. Allerdings ist zuerst ein sehr sehr scheisstreibender Anstieg auf 350m zu bewerstelligen. Oben angekommen dachte ich schon ich haette eine Niete gezogen, totale Suppe, doch dann hat es doch noch aufgerissen, teilweise zeigten sich atemberaubenden Motive. Viele laufen hier in T-Shirts herum. Mir ist es im Pullover schon zu kalt. Bin ich denn so ein Weichei? Oder sind die anderen einfach nur dumm. Entlang des Tafelberges, auf halber Hoehe, fuehrt ein Strasse, die ich entlang fuhr. Cape Town ist mit Sicherheit einer der schoensten Staedte. Nach lagem Ueberlegen entschloss ich mich zum Kap der guten Hoffnung mit dem Fahrrad zu fahren. Es ist eigentlich fast zu weit. So um die 75km einfach mit vielen Huegeln und Bergen. Ohne Gepaeck wird es schon gehen. 7.4.2006 Cape Town - Kap der guten Hoffnung - Cape Town 112km 1280Hm Zu unchristlicher Zeit begebe ich mich auf den Weg. Es ist ein saukalter Morgen. Die figurbewussten Jogger sind bereits auf dem Weg um ihre Pfunde los zu werden. Einige Zeit spaeter gesellen sich Rennradler dazu. Ohne Gepaeck gehen die Steigungen relativ problemlos, aber es ist wie befuerchtet sehr huegelig. Der frische Wind zaubert die schoenste Wellen in den blaugruenen Atlantik, die auf einen weiten schneeweissen Strand auflaufen, oder sich in den Felsen brechen und foermlich explodieren. Am Bewuchs erkennt man dass hier das Klima sehr rauh ist. Gegen Mittag treffe ich am Kap ein. Dort treffe ich mal wieder zwei Radler aus England, die von London hier her radelten. Zwei Jahre gondeln sie schon durch Afrika. Das Wetter verschlechtert sich mal wieder, die Wolkenbasis scheint auf dem Wasser aufzuliegen. Das waere echt schade. Da radelt man so weit um dann nur Nebel zu sehen. Doch wieder ist mir das Glueck hold, es reisst auf. Das Kap zeigt sich mir wie frisch gewaschen, als ob es sich fuer mich noch einmal kurz geduscht haette. Ich lasse mir hier eigentlich zuvile Zeit. Doch man kommt nur einmal hier her. Ich nehme es in Kauf einige Zeit in der Dunkelheit zu radeln. Beim Abstieg begegnet mir dann Roland aus Stuttgart, den ich schon in Namibia traf. Er ist mit einem Auto hier und gibt mir einen Lift von 50km. Da hat mal wieder irgend jemand fuer mich gesorgt und mir einen Lift geschickt. LAngsam wird mir das unheimlich, diese Begegnungen just zur rechten Zeit. 8.4.2006 Cape Town Roland ist den letzten Tag in Cape Town. Gemeinsam besuchten wir die Waterfront, einer Amuesiermeile in Cape Town, bereits am Morgen. Ein anschliessender Sparziergang durch Cape Town fuehrte uns den Sehenswuerdigkeiten in Cape Town. Den Nachmittag liessen wir im Botanischen Garten ausklingen. Ein herrlicher Herbsttag mit dem so typischen Farbenfeuerwerk des Herbstes. Alles erschien besonders kraeftig zu leuchten. Roland hat es uebigens geschafft sich bereits mit 50 zur Ruhe setzen zu koennen. Das wir mir leider nicht gelingen. Am Abend traf ich dann noch das englische Paerchen, die seit zwei Jahren mit ihren Raedern auf der Strasse unterwegs sind. Das Gespraech war eher enttaeuschend. Sie hatten wenig Zeit und irgendwie wurden wir nicht warm. So etwas gibt es eben auch. Dafuer waren die Gespraeche mit Martina und Werner, ein Paar aus Berlin, die hier einige Projekte besuchen, umso interessanter. Bis spaet in die NAcht floss der Rotwein in Stroemen. 9.4.2006 Cape Town Weil wieder so ein klarer Tag ist beschliesse ich nochmals auf den Tafelberg zu gehen, diesmal zu Fuss. Es gab auch keine andere Moeglichkeit, denn wegen des starken WIndes heute, der teilweise Sturmstaerke erreichte, lief die Bergbahn nicht. Gluecklicherweise war ich frueh dran, denn gegen Mittag huellte sich der Berg wieder in Wolken. Lange blieb ich nicht oben, denn der Wind blies mit ordentlicher Staerke. Ausserdem hatten die Restaurants geschlossen, wo man sich haette aufwaeremen koennen. Den Nachmittag verschlief ich auf dem Signal Hill, dem Sonnenuntergangstreffpunkt in Cape Town. Von hier aus konnte man die Fontaenen der Wale sehen, dem geschaeftigen Treiben im Hafen zusehen und all die Chinesen, Japaner und andere Touristen beobachten. Die Chinesen sind besonders ruehrig, ausgestattet mit mehreren Fotos und Videokameras versuchen sie alles zu konservieren, vergessen dabei die Wirklichkeit wahrzunehmen, voll auf die Technik konzentriert bleibt keine Zeit fuer Entspannung und Genuss.