erde und zivilisation; shamans blues

selene ist aus dem raumgleiter geklettert und schaut auf die karge landschaft des asteroiden, braunes felsgestein, natürlich könnte es eine andere farbe haben, wenn es im licht der erde zu sehen wäre, aber das ist es nicht. sie kann sich nicht orientieren. der zauberstb in ihrer tasche fällt ihr ein, sie zieht ihn heraus und schwingt in testweise. vor ihr im stein öffnet sich ein spalt, wie in der geschichte, denkt sie. auf knien kriecht sie durch die schmale öffnung und denkt an all das, was sonst als spalte in inneres bezeichnet wird. sie hofft, nicht wieder in der unterwelt zu landen, jedenfalls nicht in der welt der erinnerungen, das wäre zu viel des guten und sie will es den anderen protagonisten überlassen, denen danach trost zugestanden wird. im inneren ist es dunkel. ein feuer brennt in der tiefe der schlucht. sie richtet sich auf und findet, daß dafür genug platz vorhanden ist. ein schritt, zwei, drei in die tiefe. das prasseln des feuers ist zu hören. hallo, sagt selene. ist da wer? keine antwort. niemand sitzt neben der feuerstelle. die flammen belauchten einsam die reste einer uralten zivilisation im höhleninneren, türme, aus schwarzem fels gehauen, brücken, fahrstühle... fahrstühle? wieder eine zitatreise. aber wird sie die vertrauten gesichter hier finden? kaum. die technik hier bewegt sicht nicht mehr. die zeit der babylon-station ist in der vergangenheit versunken. sie läßt sich nieder. der boden, ehemals lava, ist kühl geworden. sie berührt ihn mit händen und füßen, mit dem gesicht. er umarmt sie hart und kratzend, wie es seiner beschaffenheit entspricht. sie überläßt sich der umarmung. über ihnen, über der stadt, öffnet sich langsam die höhlendecke, als würde ein schiebedach betätigt, und sie sehen dort myriaden sterne, die in der ansonsten totalen dunkelheit leuchten. alle bekannte und klischee gewordenen gedanken über sterne kommen in ihr auf: daß sie vielleicht schon gar nicht mehr leuchten, wenn man sie sieht. wie viele es sind. wie klein man ist. daß die lichter der zivilisation sie verbergen. nicht dieser. wenn du hier sein könntest, mein erster schamane, denkt sie, ich würde so gern den kreis schließen, eins dieser gespräche über alte geschichten von neuem führen. ob du noch lebst? ob du noch nah unserer gemütlichen runden mütterlichen stadt wohnst, im lärm der straßen von efeu umgeben? die welt dreht sich, oben ist unten, unten ist oben, die seiten wechseln, motion sickness. alles was bleibt, sind die sterne, und sie liegt an jenem strand.