Fabio ist nicht mehr da (Blog 269)

Wie man dem vorhergehenden Blogeintrag entnehmen kann waren meine Frau und ich in der vergangenen Woche beim Italiener. Wir betreten dieses Lokal nur einmal im Jahr aus dort ausführlich geschildertem Anlass und wurden seit fast einem Jahrzehnt immer von Fabio bedient. Fabio sieht so aus und verhält sich auch so wie man sich den typischen Kellner vorstellt: Korrekt gekleidet, Menjou-Bärtchen, freundlich, zurückhaltend, kompetent und bei all dem doch mit dem kleinen Hauch von Arroganz ausgestattet den ein richtiger Kellner haben muss. Wir hatten uns an ihn gewöhnt, mochten ihn. Diesmal war er nicht da. Kann natürlich sein, dass er seinen freien Tag hatte. Aber mein Gefühl sagt mir, das er auch im nächsten Jahr nicht da sein wird, dass wir ihn nicht wiedersehen werden. Das Ristorante hatte sich auch sonst verändert. Neue, zugegebenermaßen bequemere Stühle und auch eine neue Bedienung die allen Ernstes meinte, wir kämen auch mit einem halben Liter Wein aus. Welch abwegige Vermutung! Fabio jedenfalls hat uns nie „verdursten lassen“. Sein Verschwinden nehme ich zum Anlaß, uns alle an die nicht geringen Zahl von Menschen zu erinnern, die uns immer wieder im Alltag begegnen, manchmal sogar täglich. Die wir mögen, mit denen wir uns unterhalten, die Teile unserer Lebensumstände und -einstellungen kennen und wir die ihren. . Ich meine die Verkäuferin beim Metzger, den Besitzer der kleinen Spirituosenladens, die Friseurin die uns regelmäßig die Haare schneidet, den Schreiner, der drei mal im Jahr eine Buchenbohle kauft, die Frau mit der man häufiger im Zug gemeinsam heimfährt und natürlich einige Bloggerinnen und Blogger deren Einträge man gerne liest und (manchmal) zu selten kommentiert (to whom it concerns: Kein böser Wille). Manchmal gehen diese Menschen uns verloren. Nicht selten kennt man nicht mal ihre Namen (Fabios Namen kenne ich auch nur, weil auf der Rechnung stand : Es bediente Sie : Fabio). Man nimmt erst nach einiger Zeit wahr, das sie verschwunden sind, nicht mehr kommen oder nicht mehr schreiben. Oft ist nicht mehr zu ermitteln, wohin es sie verschlagen hat oder ob sie noch leben. Und wir bleiben zurück mit dem Bewußtsein, das ein vertrautes Stück unseres Leben – sei es auch noch so klein gewesen - verschwunden ist und uns fehlt. Und während ich den bisher geschriebenen Text noch einmal durchlese und feststelle, daß es ein spätes „Wort zum Sonntag“ geworden ist (was mich nicht stört sondern mir ganz lieb ist) drängt es mich nun doch, einen Schluß aus dem Geschilderten zu ziehen. Den nämlich, den Menschen in unsererem Umfeld respektvoll und wenn es denn möglich ist mit Sympathie zu begegnen und zwar auch um unserer selbst Willen. Viele Menschen mit denen uns GegenseitigesWohlwollen verbindet haben wir nicht zu verlieren. Es kann rasch kalt um uns herum werden – und einsam.