Fantasma - Ein Bekenntnis
Vielleicht ist die Handlung gleichgültig. Alles wurde schon einmal erzählt. Und auch das Hässliche mag unter gewissen Umständen heroisch erscheinen. Irgendwann verschwindet auch die Rührung. Dann ersetzt das Set die Identifikation. Und die Maske den Schauspieler. Der Zuschauer beginnt den Film zu zerpflücken. Wenn er mieß drauf ist, achtet er auf Anschlussfehler. Den Film nur als Film zu sehen, ihn auf die Summe seiner Teile zu reduzieren, ist der der Tod des Filmerlebens. Wenn ein TÜV-Sachverständiger Achterbahn fährt, sieht das anders aus, als der Wochenendausflug eines Scheidungskindes mit seinem leiblichen Vater. Würde der Sachverständige kein Herz haben, gäbe es keine Achterbahn mehr und nur noch Autobahnen. Alles scheint doch irgendwie ein Herz zu besitzen. Auch die herzlosen Produzenten teurer und überflüssiger Filme müssen irgendwann Kinder gewesen sein. Auch schlechte Filme besitzen ein, wenn auch nur schwaches Herz. Wir können nicht vollständig von den Bildern abstrahieren. Irgendetwas hält uns fest. Es ist der Film in uns, den wir sehen, wenn uns ein Film gefällt. Wir sehen einen Lebensentwurf, der größer ist, aufregender, aber auch schmerzvoller, als unser kleines langweiliges Leben, das auf faulen Kompromissen beruht. Das Betrachten von Filmen macht uns schöner, als dies ein Kristallspiegel es könnte. Ich möchte so fantastisch sein, wie die Helden meiner Filme. Nur die Filme geben mir Kraft, im Alltag etwas Ungewöhnliches zu sehen, das Besondere zu erkennen. Ich brauche diese Kunst, weil nur sie es mir erlaubt, in einem Sonnenuntergang eine Allegorie zu sehen. Wenn ich den Film nicht hätte, würde mir ein Gedicht von Rilke vielleicht genügen. Dennoch - ich liebe diese Pracht, die Lüge, das Bild. Filmtipp: Mathilde - Eine große Liebe. Demnächst mehr! Harm