Kosmonauten in der Wüste
Während sich noch etliche Läuferinnen und Läufer im Training auf den Hermannslauf oder einen Frühjahrsmarathon befinden, können sich die Lagenser Sportler Dorothee Karl, Barbara Späth und Manfred Hilbrink-Späth entspannt zurücklehnen, denn sie haben ihre sportliche Herausforderung für das Frühjahr 2005 bereits erfolgreich absolviert. In fünf Etappen an vier tagen liefen sie 120 km durch den tunesischen Teil der Sahara. „Laufleidenschaft, gepaart mit Begeisterung für die Faszination der Wüste und ein Schuss Abenteuerlust", so das Erfolgsrezept der Drei, die alle als Hobbyläufer begannen und mittlerweile Hermannslauf- und (Ultra-)Marathonerfahren sind. Stand für die erste Übernachtung der 140 Personen starken Gruppe noch ein exquisites Hotel auf Djerba mit all seinen Annehmlichkeiten zur Verfügung, so zeigte die darauf folgende Nacht, in der die Übernachtung bereits in offenen Berberzelten erfolgte, eine Seite der Faszination Wüste. Temperaturen um die 7° und ein eisiger Wind zwangen zu dickerer Nachtbekleidung als zunächst vermutet. Auch die anderen Facetten der Wüste ließen nicht lange auf sich warten. Konnten die 24 km des ersten Tages noch bei angenehmen Temperaturen um die 25 ° absolviert werden, so kämpften die Teilnehmer des Sahara-Laufes am zweiten Tag 18 km mit einem Sandsturm, der auch nach dem Lauf für etliche Stunden ein Einrichten im Zelt unmöglich machte. Nachdem sich der Sturm im Laufe des Nachmittags dann doch noch legte, wurde der geplante Nachtlauf über 10 km gestartet. Unter einem phantastischen Sternenhimmel machten die Läufer hier erstmals Erfahrung mit längeren Sandpassagen. Auch bei diesem Lauf ging es nicht ohne Anbindung an die klassische Marathondistanz, denn am dritten Tag galt es genau diese 42,195 km hinter sich zu bringen. Temperaturen um die 35° brachten so manchen Schweißtropfen hervor. Wer glaubte, damit das Schlimmste hinter sich zu haben, hatte den Streckenverlauf nicht richtig studiert, denn für den letzten Tag standen ca. 27 km an, die fast ausschließlich durch Sanddünen geführt wurden. Bei diesem Abschnitt wurde jeder auf seine Weise mit dem feinen Sahara-Sand fertig, der ständig die Laufschuhe zu Schmirgelpapier machte: einige liefen barfuss, einige in Socken. Einige hatten Überzieher über den Schuhen, andere hatten die Laufschuhe abgeklebt. „Brennend heißer Wüstensand", der Oldi von Freddy Quinn drängte sich den sieben deutschen Teilnehmern unwillkürlich auf. Der letzte Zielpunkt, die Wüstenoase Ksar Ghilane führte die Gruppe dann wieder an einige Bequemlichkeiten des täglichen Lebens heran. Begeistert zeigten sich die Lagenser Sportler von der perfekten Organisation des italienischen Adventure-Teams. Jeden Tag galt es, 25 Berberzelte, das große Essenszelt, das Kochzelt etc. ab- und noch vor Ankunft der Läufer wieder aufzubauen. Reichhaltige Mahlzeiten mittags und abends sorgten dafür, dass die leeren Akkus wieder gefüllt wurden. Einfach spitze war der Service an der Strecke. Beneidet wurde hier die Gruppe der 18 Walkerinnen und Walker, denn ihr „Besenwagen" waren vier wunderschöne weiße Dromedare, die gutmütig diejenigen aufnahmen, denen es zu viel wurde. Während für die letzte Übernachtung wieder das exquisite Hotel auf Djerba mit einem exzellenten Abschiedsessen aufwartete, dachten die Meisten, die drei Lagenser nicht ausgenommen, mit Wehmut an die Wüste zurück: die Stille, das phantastische Licht insbesondere zum Sonnenuntergang und an den stets freien Blick in einen prachtvollen Sternenhimmel. Der Lauf erhebt nicht den Anspruch, einer der härtesten zu sein und ist auch nicht überreglementiert. Im Vordergrund steht einfach der Spaß am Laufen in einer grandiosen Landschaft, gemeinsam mit vielen neuen Freunden, die man hier schnell gewinnt. "Prädikat: sehr empfehlenswert", so der einhellige Tenor der hiesigen Sportler.