länger als geplant

an jenem strand, auf den knien sitzt sie gegenüber den meermassen, die auf sie zu rauschen, aich wieder entfernen, auf sie zu und wieder zurück. natürlich ist es nacht. ihre beine verschwinden fast im sand. weit hinter ihr in richtung des zeltdorfes sitzen menschen, die sie vor zeiten gekannt hat, haben sich um feuer versammelt oder schlafen in biergetränkten schlafsäcken. sie denkt in zwei schienen: einmal, denkt sie an die reise, auf der sie sich befindet. sie erkennt den strand als nur eine verwischte station in den tiefen der sumpfigen erinnerung und daß sie jetzt nicht dort sein kann, aber wo sie dann ist, am hafen auf der mauern oder im raumschiff ist auch nicht gewiß. also: hier. im sand. und das meer zieht an ihr, wie es jedes mal gewesen ist, KEIN netter urlaubsort, nie, sondern stets mit symbolcharakter. das meer ist der tod. dann viele jahre später war es noch andere dinge gleichzeitig, aber damals, ganz sicher, weiß sie, daß sie in das vergehen geschaut hat, im hintergrund des bildes wein und marihunarauch, nur dezent, und er. einer, den sie bruder genannt hat. stränge führen durch luft, wasser, sand und flamme in gleichförmige räume, wo andere personen in ähnliche rollen gedeutet werden. die luft flimmert, weil selene sich, auf einer vespa sitzend, um die städte herum bewegt. lärm aus diskos, wasserkanister in den supermärkten. sie steigt am straßenrand ab, noch bevor das land hinter ihr liegt. hier noch verweilen. hier kann sie einen schlafplatz finden, zwei zelte, eine großes und ein kleines, die für sie offen stehen. ruhig (schließlich) atmet sie durch, horcht einige momente in die wärme, dann balanciert sie auf der bürgersteigkante, blitz, den hügel voll meersand neben südlichen bäumen hinauf. musik aus einem auto erklingt, die so vertraut von einem krieger erzählt, wenn keiner gemeint ist. wenige schritte noch. bewußt. sie treibt nicht. wie wenn an diesem abend die zeit still stünde und sie wirklich zurückgehen könnte alles ändern nicht, daß sie das je will. diese jüngste vielleicht aller bewegten zeiten. im schatten des klohauses steht sie ungesehen und beobachtet, wie die nelken verbrennen.