Lohn oder Hohn?

Der Wahlkampf hat begonnen, dabei ist noch nicht einmal klar, wie und ob es zu Neuwahlen kommt. Wenn der Köhler sich und die Verfassung nich verkohlen lassen will ist das Essig mit Schröders 'grossen Coup', aber das geht in all den Nebelkerzen freilich völlig unter. Jeder redet vom 18. September als dem Tag der Wahl, dabei steht noch garnicht fest, ob überhaupt gewählt werden wird. Trotzdem ist Schröder schon eifrig dabei der nächsten Bundesregierung Knüppel zwischen die Beine zu werfen, damit hierzulande bloß nichts passiert. Lohnerhöhungen sollen her, zwar keine echten sondern nur Einmalzahlungen und er will sich ja auch nicht in die Tarifautonomie einmischen, aber Brot und Spiele für's verblödete Wahlvolk müssen her. Damit macht man sich Freunde und Freunde braucht Schröder mehr als alles andere. Die Arbeiter nehmen ihm die Arbeiterpartei schon seit Jahren nicht mehr ab. Die letzte Wahl hat er ja auch nur gewonnen, weil ihm die Gummistiefel besser stehen als dem bayrischen Straßenräuber. Aber abkaufen wird ihm diesen Schwachsinn wohl kaum jemand. Fair wäre es und gerecht, aber seit wann sind Abzocker fair und gerecht? Gerhard freut sich doch jetzt schon auf ruhige und vor allem lukrative Beraterjobs in der Wirtschaft. Kaum brennt die Nebelkerze kommt das erwartete und erhoffte Sperrfeuer aus der anderen Betthälfte. Ein Ende der Lohnzurückhaltung koste Arbeitsplätze wettert der Deutsche Industrie und Handelskammertag DIHK. Ein Ende der Lohnzurückhaltung bedeute das Abwandern von Arbeitplätzen ins Ausland, ausserdem sei in der Stahlindustrie schon wieder ein Abschwung in Sicht. Auf deutsch: Wenn ihr mehr Geld haben wollt als die Chinesen, dann fertigen wir eben da und ausserdem, da ganz am Horizont, da ist ein winziges Wölkchen, wir werden alle in diesem Unwetter ertrinken! Das macht Sinn, denn wer es schafft in Zeiten des beginnenden Aufschwungs mit dem Hinweis auf die nachwirkende Kriese die Löhne vom Betriebsergebnis abzukoppeln und sie präemptiv vor dem nächsten zyklischen Abschwung wieder anzukoppeln maximiert den Firmengewinn und streicht richtig mächtig Geld ein, weil das Managergehalt an den Aktienkurs gekoppelt ist. Wie dreist die Abzocker inzwischen sind kann man leicht erkennen, wenn man sich die Äusserungen dieser Bande anguckt. Noch vor einem Monat tönen sie groß in einer Presseerklärung "Die deutsche Konjunktur hat ihren Winterschlaf beendet. Nach der Wachstumsdelle zu Ende des letzten Jahres ist das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) um ein Prozent gegenüber dem Vorquartal gewachsen. Mit dem guten Ergebnis stellt die deutsche Exportwirtschaft ihre international gestiegene Wettbewerbsfähigkeit unter Beweis: Denn trotz leicht verringerter weltwirtschaftlicher Dynamik und weiterhin hohem Euro-Außenwert erweisen sich die Ausfuhren als treibende Kraft der Konjunktur. Aber auch der wunde Punkt der deutschen Volkswirtschaft zeigt sich in den Resultaten des ersten Quartals: Die Exportimpulse schlagen bislang zu wenig auf die Binnenwirtschaft durch; der private Konsum bleibt insbesondere infolge der ungelösten Probleme auf dem Arbeitsmarkt schwach." Mal wieder die Übersetzung: Der Wirtschaft geht es gut. Es geht bergauf, innerhab von 3 Monaten (da steht Vorquartal, nicht Vorjahresquartal) stieg das BIP um 1%, macht selbst ohne Zinsrechnung 4% auf's Jahr. Wo wir gerade bei Zahlen sind. Das was immer in den Nachrichten kommt, die 0,8% Steigerung sind Steigerungen der Steigerung des BIPs, hinhören hilft manchmal. Aber wieder zurück zum Text. Triebkraft des Aufschwungs ist der Export und das trotz hohem Eurokurs und trotz langsamer steigender Weltkonjunktur, weil die eigene Volkswirtschaft nicht auf Touren kommen. Im letzten Satz fäng er an zu lügen, aber es wäre auch zu schön, wenn einer von denen man mit Halbwahreiten auskommen würde... Die Binnenkonjuktur bleibt flügellahm, weil auf Betreiben der Abzocker die Arbeitslosenhilfe für die meisten Empfänger drastisch zusammengestrichen wurde und weil selbst die meisten Leute mit Job kein Geld in der Tasche haben. In den letzten Jahren haben die Gewerkschaftsbosse schließlich brav Männchen gemacht und die Geldbündel apportiert, die aus den Rekordumsätzen der Wirtschaft für sie abfielen. Ein Boß hackt dem anderen keinen Euro aus... Wenn die Abzocker ständig damit drohen abzuwandern, wird man sie auch nicht endgültig zum Bleiben bewegen können, wenn man ihnen noch mehr in den Arsch bläst. Irgendwann ist selbst der fetteste Arsch voll. Das einzige, was man so erreicht sind höhere Forderungen. "Der Staat ist nicht erpressbar", wurde im deutschen Herbst postuliert aber das gilt wohl nur für die, die einem nachher keine lukrativen Verträge anbietet. Es gibt ein sehr einfaches Mittel im Krieg gegen den Profitterrorismus: Strafzölle. Das hat in vielen Handelskriegen mit den United States of Bushism wunderbar funktioniert und wurde auch gerne und häufig eingesetzt, nur gegenüber der eigenen Wirtschaft muß man ja loyal sein, auch wenn die alles andere als loyal ist und nur mitnimmt, was sie kriegen kann. Was nicht im Inland produziert wird, wird verzollt. Mit dem Geld, das dadurch reinkommt kann die Mehrwertsteuer senken, die Arbeitslosenhilfe wieder hochsetzen, die Löcher im sozialen Netz stopfen und nebenbei auch noch inländische Produktion subventionieren. Zusätzlich holt man Arbeitsplätze nach Deutschland weil viele hier werden produzieren wollen um die Subventionen abzugreifen und die Zölle zu umgehen. Das ist natürlich keine Wunderwaffe und hat auch ein breiteres Wirkungsspektrum als hier dargesellt, die EU wird zum Beispiel aufheulen, aber die zerbricht eh gerade. Es soll nur als Indiz dafür dienen, daß es Wege gibt, wenn man sie sucht und finden möchte.