Pfuibäh, was war das denn?
Ein Nachtdienst der weniger schönen Sorte U-( Eigentlich deutete bis kurz vor knapp nichts auf eine entgleitende Situation hin, aber irgendwie hatte ich's doch im Urin, dass es keine angenehme Nacht wird :roll: Und ich muss schon zugeben, dass es nicht schön ist, wenn man an diesem "Was mach' ich jetzt?"-Punkt angekommen ist und das Gefühl hat, dass es eh egal ist. Auch wenn meine Kollegin mir tausendmal bestätigte, dass das vor allem am Anfang völlig normal ist, jedem so geht und solange man dieser Arbeit nachgeht immer wieder kommen wird und aber auch irgendwann genug Erfahrung vorhanden ist, dass man auf die "Was mach' ich jetzt?"-Frage viele kreative Antworten hat. Ja na gut, dann will ich mal versuchen brav zu sein und das zu glauben und mir keinen Kopf zu machen. Auch wenn man sich natürlich im Nachhinein seine Gedanken macht und überlegt, was richtig oder falsch war und es ist in der Situation auch einfach unangenehm, wenn man hilflos ist. Wobei ich froh bin über meine Fähigkeit, trotzdem äußerlich rotzecool zu bleiben und nicht hilflos zu wirken. Denn wenn die Kids einen so wahrnehmen, ich denke, dann sollte man sich überlegen, selber auch mal abgängig zu sein :>> Zu dritt haben wir die Meute jedenfalls dann in den Griff bekommen. Allein würde ich vermutlich jetzt noch im Flur stehen und genervt sein |-| Verweigern ist eine der lästigsten Eigenschaften der lieben Kleinen, die keine mehr sind. Wobei, ich möchte ja gar nicht meckern... der Kollegin im letzten Nachtdienst ist ein Messer hinterher geflogen. Da kann ich ja geradezu von Glück sprechen, dass ich nur eine Schlampe bin, die sich ficken soll :b Ich muss schon zugeben, so langsam geht's ans Eingemachte. Und ich denke, es wird sich dicke bis in den Winter rein ziehen, bis wir hier mal eine für alle akzeptable, greifende und funktionierende Struktur entwickelt und gefestigt haben. Bisher war es ein einziges Durchrotieren an Kids, es gab nie eine Gruppe mit der Chance sich zu finden, dann personelle Änderungen, ein Team was logischerweise auch noch nicht in blindem Vertrauen sicher an einem Strang zieht, dann der Umzug, vor uns liegen sechs scheinbar unendlich lange Wochen Sommerferien (Hallelujah, wenn die um sind, das muss mindestens eine Flasche Tequila wert sein :>>)... aber ich wundere mich ehrlich gesagt auf positive Weise über mich selber, dass ich nicht sage "ähbäh, ich mag nicht mehr", sondern tatsächlich die Energie und Motivation habe auf diesem Weg und mit vielen kleinen Zielen vor Augen weiter zu machen. Selbst unser ehemaliger Erziehungsleiter sprach uns heute schon seinen Neid ob unserer Energie aus :b Aber die - im Vergleich zu gestern minikleine - Eskalation heute Abend war ja nicht alles :roll: Mein Arbeitstag begann mit zwei Schocks. Der erste war, das mein Bezugskind, mit dem ich eben noch fünf Tage weg war, gestern vollendet geflippt ist und schlussendlich mit Blaulicht, Pauken und Trompeten eingewiesen wurde und nicht mehr zu uns zurück kommt. Es macht mich traurig, wütend, ich bin enttäuscht... ich weiß, dass er nichts dafür kann. Und ich weiß, dass wir uns nichts vorwerfen können. Wir haben wirklich alles versucht. Obwohl ich noch so stolz war, dass er vorgestern hier geblieben ist, und ich sah es echt als Anreiz, an dem vorsichtig aufgebauten weiterzuarbeiten. Aber mir ist auch klar, dass wir jetzt nicht mehr die Stelle sind, die ihn auffangen kann und bei derartig massiver Fremdgefährdung ist das nicht vertretbar und und und... dennoch schade. Als ich den Aktenvermerk im Detail las musste ich mehrmals fragen, ob es sich schon um das Kind handelt, was ich am Wochenende dabei hatte... Am Montagabend stellte ich erst zuhause fest, dass er mir nach unserer Ankunft hier irgendwann noch ein Herzchen und seinen Namen auf die verstaubte Heckscheibe geschmiert hatte. Fand ich süß. Vielleicht eine kleine und doch die größte denkbare Art danke zu sagen. Wer weiß das schon. Der nächste Schock war dann mein Kollege. Er und die andere Neue sind jetzt seit drei Wochen bei uns und ich konnte mir sehr gut vorstellen, dass wir ein gut funktionierendes Team aufbauen werden. Beide super nett, eben welche mit denen man offen reden kann. Und außerdem, es ist einfach so, ein Mann im Team ist in diesem Job schon auch viel wert. Und heute Mittag gestand er uns fast weinend, dass er wieder aufhört, er könne es einfach nicht, es sei ihm doch zu heftig, er käme stets total geladen nach Hause und hätte letztlich angesichts unserer doch teilweise sehr "schwierigen" Kids auch Angst, irgendwann unpädagogisch zu werden... ich brauchte ein paar Minuten um zu begreifen was er da sagte. Und dann musste ich ihm sagen, dass ich es super mutig finde, dass er so ehrlich ist und unter diesen Umständen seine Entscheidung für uns, die Kids und ihn sicher die einzig richtige ist und ich sie voll und ganz akzeptieren kann. Und trotzdem finde ich es echt schade! Er wird den Monat aber noch fertig machen. Was ich von Seiten der Chefetage wirklich wahnsinnig toll fand ist, dass man ihn nicht einfach gehen lassen will sondern dass er das Angebot bekommen hat, sich doch mal eine normale Regelgruppe anzuschauen, ob er sich das vielleicht vorstellen kann. Wirklich ein feiner Zug. Natürlich wird das unsere Situation als Team nochmal aufwirblen. Und die Kids werden auch nicht begeistert sein. Aber es ist jetzt eben so. Möglicherweise bekommen wir sogar direkt zum 01.08. einen neuen Mitarbeiter, das würde zumindest theoretisch keinen Engpass bedeuten. *** kurze Raucherpause auf Balkonien *** Morgen früh kann ich immerhin tatsächlich mal regulär um neun Feierabend machen. Morgen Abend bin ich dann mit Tina beim Weiberschützen in BC :b Am Freitag würde ich evtl. gern meine Eltern auf dem Campingplatz besuchen, mal sehen... Jetzt verbuddle ich mich noch für drei Stündchen in mein Bett, hoffe auf eine weiterhin ruhige Nacht und bin mal gespannt, welche Stimmung mich morgen erwartet U-(