Philosophie der Verdrängung
Verdrängung ist ein ganz normaler Prozess, der uns wohl versucht vor psychischen Spätfolgen von schlimmen Ereignissen zu schützen. Aber wegen diesen Mechanismus werden auch schlechte Zeiten zu den "guten alten Zeiten", wo das Positive ja immer irgendwo überwog. Deswegen erinnern wir uns so gerne an die Schulzeit zurück, weil wir uns nicht mehr an unsinnige Themen oder ungerechte Behandlung erinnern, sondern an die Klassenfahrten und die Pausen, an die erste Liebe und an den ersten Alkoholrausch. Nichts was negativ war wird länger als nötig aufbewahrt. Das heisst aber auch dass wir viel langsamer aus Fehlern lernen als aus dem was geklappt hat. Schon komisch - dabe4i sagt man doch dass man fast nur aus Fehlern lernt. Man muss wohl beim Lernen Fehler machen, also diesen Vorgang in einer bestimmten Zeit wiederholen, bevor Verdrängung einsetzt. Schlimmer wird das ganze Problem im kollektiven Gedächtnis. Dort potenzieren sich diese beiden Strömungen der Verdrängung und des Lerneffekts und es kann zur Spaltung des Kollektivs kommen. Die einen die Vergessen haben, die andren die daraus gelernt haben. Beispiel des Ost-West-Konflikts: Wir sind 15 Jahre entfernt. Einige haben das Problem verarbeitet und kommen damit klar dass es jetzt eine neue Linke gibt und verdrängen diese Option nicht mehr als SED-Derivat. Andere verdrängen ihre Vergangenheit und verarbeiten das Probllem nicht, sie sehen nur das alte System vor sich. Ihnen ist noch nicht klar dass dieses alte System gar nicht mehr möglich ist. es ist so gründlich gescheitert das die Masse wohl *gelernt* hat dass dieses System nicht lebensfähig ist.