Portugal - Wandern im Serra de Estrela

Wieder eine Nacht im Zelt hinter mir. Aus meiner Regenjacke hatte ich mir ein Kissen gemacht und so ging das mit Schlafen schon ein wenig besser, aber nicht wirklich gut. Es war Jochen's Geburtstag und ich weckte ihn "liebevoll" ;D. Wir wollten frueh los, weil jetzt endlich mal wandern angesagt war. Der Campingplatz hatte zumindest eine schlechte Kopie von einem Wanderkartenversuch. Bei unserer Erkundung des Ortes hatten wir ein Schild gefunden, auf dem zwar nicht von Wanderweg die Rede war, aber uns irgendwie so vorkam. Also stiefelten wir jetzt diesem Schild hinterher, jeder mit 1,5 l Wasser bewaffnet. Schon nach ca. 30 kam das erste Fragezeichen, weil es eine Weggabelung gab. Zu unserem Glueck stand eine alte Frau dort und konnte uns Auskunft geben, wo wir lang mussten. Der Weg war ganz angenehm und wandt sich langsam den Berg hinauf. Die Hitze war gigantisch. Das waren locker 36 Grad in der Sonne und jedes Stueck noch so kleiner Schatten war ein Fest.Am Wegesrand gab es keine Hinweisschilder oder Wegbeschreibungen ganz egal, ob es eine Weggabelung gab oder nicht. Nach 2 Stunden kamen wir - gluecklicherweise - an eine weitere Gabelung und dort gab es endlich ein offizielles Schild, nachdem der Weg nun in 2 Richtung weiter gehen wuerde. Gradeaus nach Manteigas (7 Stunden) und nach rechts an einen anderen Punkt (7,5 Stunden).  Wir hatten beide gerade mal noch einen Liter Wasser dabei und waren uns unschluessig was zu tun war. Zu unserer weiteren Verwirrung hatte noch jemand den Weg nach links mit der Hand nachgemalt und gesagt, dass es dort entlang in 4 Stunden nach Manteigas gehen sollte. Manteigas war unser Tagesziel und so beschlossen wir uns der handgeschriebenen Route anzuvertrauen. Meine Knie fingen langsam an zu schmerzen und die Mischung aus Unwissenheit und der Hitze tat ihr uebriges, dass meine Laune nicht mehr ganz so gut war (ich wurde zickig). Irgendwann kamen wir an einem Haus vorbei und da konnten wir unsere Koepfe mal unter kaltes Wasser halten. Nach ca. 90 Minuten kamen wir auf der Strasse nach Manteigas raus und befanden uns in der Naehe der niegelnagelneuen Sommerskipiste. Wir beschlossen dort einzukehren und uns erstmal zu staerken, bevor es weitergehen sollte nach Manteigas. Wir assen ein Eis, tranken uns was und setzten uns dann an den Fluss um die Fuesse ein wenig abzukuehlen. Der Weg nach Manteigas war noch sehr sehr anstrengend. Erstens macht es keinen grossen Spass an der Strasse lang zu gehen und zweitens gab es dort fast gar keinen Schatten mehr. Wann immer es ging, suchten wir Wege abseits  der Strasse, aber davon gab es viel zu wenig. Unterwegs gab es gottlob noch ein kleines Staedtchen und wir holten uns bei einem Opi in Plauderlaune neues Wasser ab. Ueber mein Klagen und Leiden moechte ich hier jetzt nichts mehr schreiben, denn letztlich haben wir es tatsaechlich geschafft Manteigas zu erreichen. Wir reden hier von 20 - 25 km Wanderung in grosser Hitze und ohne grossartige Vorbereitung / Training. In Manteigas trankken wir erstmal die softdrink-Vorraete einer kleinen Pinte leer um dann nebenan in die Pizzaria zu wecheln, die uns mit Pizzageruch quasi eingeladen hat. Surprise... Die Besitzerin war zwar Portugiesin hatte aber ihr ganzes Leben in Bremen gelebt. War eine nette und erzaehlte uns dass genau an diesem Abend in Manteigas ein grosses Fest waere und wir doch bleiben sollten. Grossartige Idee eigentlich, aber das Fest sollte erst um 23 Uhr losgehen und wir beide - das stand mal sowas von fest - waren voellig am Arsch. Die Rueckfahrt mit dem Bus war nicht mehr moeglich und bei der Gelegenheit erfuhren wir auch gleich, dass unser Plan am naechsten Morgen mit dem Bus nach Manteigas zu fahren um von hieraus den Park zu verlassen nicht klappen wuerde. 1. fahren am Wochenende die Busse nicht und 2. von Manteigas aus kam man wohl auch nicht wirklich gut weg. Wir deckten uns mit einem Gute-Nacht-Wein ein und fuhren mit dem Taxi zum Campingplatz zurueck.  Die Klamotten landeten auf der Leine, wir in den Badehosen und ab in den Fluss. HERRLICH!Dann gab es noch einen leckeren Weinabend und es ging erschoepft auf die Isomatten.