PR im wirklichen Leben

PR ist, wenn es aufgrund von „Sparmaßnahmen“ noch genau eine Person im gesamten Unternehmen gibt, die sämtliche Anrufe von Kongressorganisatoren, Standbauern, Werbemittelherstellern, Druckereien, Messedienstleistern, Übersetzern und PR-Agenturen entgegen nimmt. PR ist auch, wenn genau diese eine Person dann „ein strategisches Messekonzept“ für die und mit den Budgetverantwortlichen entwirft: Briefing Öffnen von Werbebriefen diverser Messeveranstalter mit anschließendem Versand von E-Post "Wollen wir da hin? Ist das nichts für uns?" Recherche Nach der E-Post-Antwort: "Klingt interessant, was kostet das denn?" beginnt die Recherche nach Preisen und nach Möglichkeiten, umsonst oder doch wenigstens billig teilzunehmen: Beta-Leiter X: Da hat doch die Wirgehenüberallhin AG einen Stand, frag doch mal, ob wir uns dazu stellen können! Beta-Leiter Y: Ich regel das: Wir gehen auf den Amt75-Stand, da bekommen wir garantiert 1 m² hinten in der Ecke und bezahlen müssen wir auch nix, schließlich sind wir Verbandsmitglieder! Alpha-Leiter: Das ist doch alles Quatsch! Wir machen einen Stand mit Partnern! Die Ultra-unbekannt GmbH und die Hauptsache Mobil AG kannst du doch bestimmt überzeugen. Ruf da mal kurz durch, erklär das Konzept (= wir zahlen nix und ihr alles) und dann ist das doch ü-b-e-r-h-a-u-p-t kein Problem. Ach, wenn ihr mich nicht hättet. Alles muss man alleine entscheiden! IST-SOLL-Abgleich IST: Kein Budget für Messen SOLL: Geld ist nicht alles! IST: Keine Mitarbeiter, um eine Messe zu organisieren SOLL: Vorhandene (2) Mitarbeiter sind hochmotiviert und bestens trainiert durch Messe-Workshops: Wie ich lernte, die Messen zu lieben Starke Rückhand beim To-Do-Ping-Pong Do-it-yourself: Gerümpel wird zum Messestand IST: Keine ausreichende Kommunikation zwischen den Budgetverantwortlichen und den Messeorganisatoren SOLL: Die Organisatoren wissen, dass sie nichts wissen – es ist ihnen aber egal. IST: Medien sind offen für erfolgreiche KMU und interessante Projekte Genau das ist das Problem. SOLL: Multiplikatoren sind bestens informiert (schreiben bloß leider nix). Ziele Die Messe wird zu einem überwältigendem Erfolg trotz fehlendem Budget, Personal und nicht stattfindender Kunden- und Pressekommunikation. Der kleine, kompetente Organisatorenstab bastelt einen Messestand aus Gerätschaften, die seit 10 Jahren im Keller zerfallen und belästigt bei dieser Arbeit möglichst wenig die Beta-Leiter und schon gar nicht den Alpha-Leiter. Fragen, die sich aus fehlender Information ergeben wie z.B. „Was stellen wir aus?“, „wen wollen wir mit einem Mailing ansprechen?“ oder auch „wie sollte unser Online-Profil im Messekatalog aussehen?“ beantwortet sich das Organisatorenteam aus oben genanntem Grund allein. Maßnahmen Messepräsentationen der vergangenen 10 Jahre sichten und die Jahreszahlen aktualisieren. Sonst nichts verändern. 33,7 Stunden mit Freehand- und QuarkXpress hantieren und stolz ein mittelmäßiges Poster kreieren, für das eine professionelle Agentur 10 Minuten gebraucht hätte. Das nicht vorhandene Budget darf nicht überschritten werden. Mailings 3 Tage vor der Messe versenden, da erst der Text abgestimmt werden muss. Der Zielgruppenkreis wird dafür etwas weiter gefasst, da keine Zeit mehr ist, abzustimmen, wer eigentlich erreicht werden soll. Zeitplanung 3 Wochen vor der Messe Viele Ideen haben, aber nichts tun. 5 Tage vor der Messe Präsentationen überarbeiten, Exponate überlegen, Demosysteme „in Angriff nehmen“, Mailing formulieren und versenden. Tag der Messe Rechner mit den soeben fertiggestellten Messe-Präsentationen bespielen, Exponate 1 Std. vor Messebeginn zusammentragen, Demosysteme 5 Minuten vor Messebeginn zum Laufen bringen, Kopfschmerztabletten nehmen, Webseite aktualisieren, Messestand mit Tesafilm zusammen kleben. Lächeln, beten, hoffen, ärgern und wehmütig ans PR-Kolleg zurückdenken....