Queen und ich.

Starke Identifikationen mit einer Sache, dem Job, einer Musik macht den Blick für Objektivität schwieriger. Wer gibt schon gerne zu, dass er in einem Betrieb arbeitet, der beispielsweise gesundheitsschädlichere Pharmazeutika herstellt als die übrige Konkurrenz: "Nur weil n paar Amis sich mit der Dosierung vertan haben..." Oder das: Du wächst in einer Clique auf, die prinzipiell keine anderen Lebenseinstellungen duldet, als den, den das Alpha-Tier vorgibt. Automatisch wird alles geil, was damit zu tun hat, von Schmuck, Textilien, wahlweise aufgemotzter Corsa oder Fiat Cinquecento und natürlich der Musikgeschmack. Und genau vor diesem Problem stehe ich. Doch davor eine kleine Rückblende: Mit 11 fing ich an, bewusst Musik zu hören. Diese Autarkie war natürlich durch mein kleines Taschengeld limitiert und der Tatsache, dass ich durch meinen Internatsaufenthalt nur in den Ferien Neuerwerbungen tätigen konnte. Wir hörten Bon Jovi, AC/DC und Metallica später auch Green Day oder Offspring. Die wichtigste Band war aber Queen. Von allen CD-Stapeln erreichte der Queen-Stapel mit 3 CDs die höchste Maß: Greatest Hits 1 und 2, sowie "News of the World" mit "Spread your Wings". Irgendjemand sagte: "Musik is the Soundtrack of your life". Bei Queen trifft dies zu. Ich fühle mich damit stark verbunden und erinnere mich gerne an die aufregende Internatszeit zurück, die mitunter alles andere als einfach war. Erst neulich, ich zappte lustlos durchs Programm, rockten Queen, bzw. Roger Taylor und Brian May bei "Wetten daß.." Ich war begeistert, erhob mich aus dem Sessel und schwang die Luftgitarre. Trotzdem beschlich mich Unwohlsein: Freddie Mercury ist seit '91 tot, Roger Taylor hat mindesten einen Zentner zugenommen und Fragmente einer alternden Band auf Musical-Promotour treten auf bei "Wetten daß..." auf. Der heroische Anspruch, den die Band bei ihren Fans hat, wird weit verfehlt und mir bleibt nur das Zugeständnis, dass auch ich alt und naiv werde.