Soziale Kälte? Alles Propaganda!
ProBlog Auch Feiertage gehen manchmal vorbei. Dabei beginnt der Tag darauf, wie jeder gewöhnliche Tag, heute allerdings mit der Ausnahme, dass mich penetrantes Vogelgezwitscher bereits in der Nacht vom Schlafen abhielt [nicht nur Studenten sind Nachtaktiv], mit dem Griff zum Feuerzeug, dem charakteristischen RitschKlick und dem Blick zum Wecker. Wie, Feuerzeug? Hattest Du nicht mit dem Rauchen aufgehört? Klar hab ich! Aber ich was ich nicht habe, ist ein Lichtschalter in Reichweite und den Funkwecker haben mir meine allerersten Schwiegereltern geschenkt, was dazu führte, daß er kurz nach der Trennung die Fähigkeit verlor, im Dunkel per Klick zu Leuchten und vorgestern hatte ich sogar das Gefühl, das mit der Zeit was nicht stimmte! Also aufstehen. Da ich mittlerweile alles andere als ein Morgenmuffel bin, gilt mein Gang zum Fernseher eher dem unwillkürlichen Wunsch, mich über die tagesaktuellen Ereignisse zu informieren, was aber nicht klappt, denn morgens um 06:00 wird generell nur über Promis, Sport und die Anekdoten der Moderatoren gesprochen. Sowieso möchte man sich bei den Frühstücksmoderatoren am Liebsten gleich selbst einschläfern, aber dann würde man ihnen eine Anekdote liefern und das möchte ich, nicht mal nach dem Tod, erleben. So richtig wach werde ich dann entweder durch meine eiskalte Dusche oder aber durch einen dieser Berichte, die Dir schon morgens die Haare zu Berge stehen lassen. Die sächsischen Weber Das Stöhnen und Wehklagen, das Gezerre und Gezerrche, die, laut Horst in summa knapp 7,1 Billionen Euro Staatsschulden, Hartz hier und Hartz da, all das sollte einen vermuten lassen, daß die Deutschen genug zu tun haben ihre Misere zu verarbeiten. Allerdings ist das ein Trugschluß und fast wären wir drauf reingefallen und hätten den Medien, HartzVierern und gutsituierten Weltverbesserern geglaubt, mit ihrer Kahlschlag-, Armut- und sozialer Kälte Propaganda. Gut, die hungrigen Massen habe ich auch bisher noch nie auf den Straßen entdecken können, aber wer weiß denn schon, wie es im Osten aussieht?! Aber im Gegensatz dazu weiß man ja, daß die kapitalistischen Ausbeutungsmechanismen, die den Menschen in die Abgängigkeit durch Lohnarbeit treiben, ihn auch dann durchdringen, unterdrücken und zum Spielball machen, wenn er längst keine Lohnarbeit mehr hat. Doch während die ostdeutschen Weber noch überlegen, wie der Refrain im ähnlich klingenden Heinetext weitergeht, werden woanders Boxen geöffnet, in denen 35 verschiedene Bachblütenextrakte für Igel sind. Igel zahlen keine Praxisgebühr Ob die Box aus Mahagoni war, weiß ich nicht, aber die enthaltenen Extrakte sind sicher einiges wert, wenn ich mich an die olfaktorischen Anstrengungen eines Grenouille erinnere. Deswegen behaupte ich: Den Deutschen geht es gut. Sehr gut sogar, wenn man der netten Reportage glauben schenken darf, die auf Kosten des GEZ Zahlers, dieses Morgens über einen öffentlich-rechtlichen Kanal flimmerte. Bachblütentherapie für Hausviecher aller Art, in einem Umfang und mit einer Hingabe, die mich erschaudern ließ, denn ich kann mir kaum vorstellen, daß einem menschenlichen Äquivalent ähnlich großes Interesse und Zuwendung zuteil geworden wäre, hätte er in Eiseskälte draußen auf einer Wiese gelegen und sich von spärlichen Gemüseresten ernährt! Im Gegenteil, das wäre ein Fall für die "Sozialfander" von RTL2 gewesen. Die Schlußfolgerungen sind eindeutig: 1. So schlecht kann es diesem Volk gar nicht, gehen, wenn man Behandlungen die die Krankenkasse kaum beim Menschen bezahlt, in jedem Tierheim irgendwelchen Viechern angedeihen läßt. 2. So sozial und weltverbesserisch sind sie, die vielen Moralisten mit Haustier, dann doch nicht, wenn mehr Geld für Viecher ausgegeben, als in Entwicklungszusammenarbeit investiert wird. Leider konnte ich keine genauen Zahlen finden, aber wenn es einen Markt für 500€ Kratzbäume gibt, ahne ich, in welchen Dimensionen sich das bewegt. Ich erkläre die Diskussion, unter folgenden Gesichtspunkten für eröffnet: - ich hab im Monat weniger raus, als ein Hartz Empfänger - ich hatte ne Katze, aber der Kratzbaum war selbstgebaut Demnächst in diesem Theater sowie, wenn auch noch im Aufbau, auf www.chris-beck.de: - Warum Wikipedia vom Verfassungsschutz beobachtet werden sollte - Was Horst Köhler bei einem Münchner Abendessen Richtiges gesagt hat und - Warum Cross-Media-Couponing ein exzellentes Marketinginstrument ist Andere Frage am Rande: Vögel, die Nachts zwitschern? Wie kann das sein?