Sport gegen Rechte Gewalt

Anlässlich der jüngsten Ereignisse - als hier in Mittweida einer 17-Jährigen ein Hakenkreuz ins Becken geritzt wurde - veranstaltete der CPSV (Chemnitzer Polizei-Sportverein) relativ spontan ein "Präventiv-Turnier im Volleyball gegen Rechtsextremismus" letzten Mittwoch. Somit sollte der Sport als klare Alternative für Jugendliche gegenüber dem Braunen Gedankengut ins Licht gerückt und der Öffentlichkeit gezeigt werden, dass sich die Bürger dieser Region sehr wohl gegen die Nazis auflehnen können. [Den Samstag davor versauten die Nazis ja sogar die Eröffnung des Weihnachtsmarktes, indem sie sich spontan auf dem Markt versammelten und ihre Parolen unter das entsetzte Volk brachten. Die angerückte Polizei brauchte dann eine Weile, um diese Gruppierung aufzulösen.] Der CPSV gab sich reichlich Mühe, soviel Aufmerksamkeit wie möglich für ihr Projekt zu erhalten. Dafür brachten sie sogar ihre höchstklassigsten Spieler mit: Die Volleyball-Damen der Zweiten Bundesliga - die Fighting Kangaroos. Natürlich durfte in diesem "symbolischen Turnier" die Hochschulauswahl-Mannschaft genau so wenig wie je eine Mannschaft des Mittweidaer Gymnasiums und der Mittelschule fehlen. Bereits 13 Uhr sollte es am Mittwoch losgehen, sodass ich die Mathematica-Vorlesung schwänzen musste. Für einen guten Zweck sollte ich dieses Opfer aber schon erbringen! ;) Bereits auf dem Weg zur Halle realisierte man die Ausmaße dieser Veranstaltung. Überall Cops! Die Halle war komplett in alle Richtungen abgesichert. Wer ohne Sporttasche erschien oder verdächtig aussah, kam an den zahlreichen Sixpacks nicht vorbei. Auch in der Halle wurde einiges geboten. Die Ansprachen des Bürgermeisters und des sächsischen Polizei-Präsidenten wechselten sich mit schicken Tanzeinlagen der Tanzgruppe des Gymnasiums ab. Die Halle füllte sich mehr und mehr mit Zuschauern. Dann ging es endlich los. Wir spielten alle Sätze auf Frauen-Netzhöhe, um es den Damen aus der 2. Liga nicht unnötig schwer zu machen. |-| Nachdem wir die Gymnasiums- und die Mittelschul-Mannschaft klar besiegen konnten (wir durften gegen beide Teams nur Angriffe aus dem Hinterfeld durchführen und vorn am Netz nicht springen), ging es dann in der Vorrunde gegen die hübschen Mädels der Fighting Kangaroos ran. Wir spielten richtig grottig schlecht. Hatten wir Angst vor den Damen aus der Zweiten Liga? Trauten wir uns nicht, gegen körperlich unterlegene Frauen zu spielen? Wollten wir den Gentleman markieren? Oder hörten wir einfach nur auf ihren Trainer, der uns sagte, wir sollten uns zurückhalten, um keine Verletzung bei den Damen zu riskieren, da sie sich aktuell auf dem ersten Tabellenplatz befinden. Man weiß es nicht. Allerdings hauten sie uns mit sehr geschickten Angriffen auf ihrer gewohnten Netzhöhe die Bälle ziemlich um die Ohren und gewannen alle ihre Vorrundenspiele. Die Vorrunde war vorbei. Es folgten wieder Tanzeinlagen. Wir gönnten uns erst einmal eine Bratwurst und einige Getränke, welche natürlich gesponsort und dementsprechend kostenlos waren! :yes: In der sich anschließenden Finalrunde kämpften die beiden besten Vorrunden-Teams gegeneinander - erwartungsgemäß mussten wir also noch einmal gegen die Kängurus ran. Jetzt ging es um alles oder nichts. Das Finalspiel wurde noch einmal richtig groß aufgezogen. Jeder Spieler wurde über die Lautsprecher angekündigt und lief unter tosendem Beifall aller anwesender Gäste aufs Feld. Man fühlte sich wahrhaft unsterblich! :P Nach dieser Zeremonie konnte es endlich losgehen. Wir begannen nun, nicht mehr so zaghaft zu spielen und knüppelten den Ball das ein oder andere Mal schon richtig ins gegnerische Feld. In einer Situation zog ich durch, traf eine Gegnerin, welche gerade noch die Hände vors Gesicht nehmen konnte und durch den Druck zu Boden viel. Sie stand gleich wieder auf, schüttelte sich kurz und weiter ging es! Ich wusste doch immer, dass sie einiges vertragen können! ;) Dennoch spielten wir grottig. Unsere Annahme war grausam, wodurch keine verwertbaren Zuspiele entstanden und im Angriff kein richtiger Druck entstehen konnte. Mit dem für uns viel zu flachen Netz kamen wir auch überhaupt nicht klar. Man brauchte beim Bloggen gar nicht springen - im Gegenteil, man musste sogar noch seinen Kopf einziehen, um böse Gesichtsmuster zu vermeiden! ;) Wir verloren beide Sätze ziemlich deutlich mit 25:20 und 25:17. Aber es war schon eine Ehre gegen eine Mannschaft aus der zweiten Bundesliga zu spielen, speziell wenn sie so stramme Schenkel hat! :DD So eine Gelegenheit hat man bestimmt so schnell nicht wieder. Dann kam es zur Siegerehrung. In einer Ansprache bedankte sich der Bürgermeister bei allen Teilnehmern und Gästen und hoffte, uns bei "der nächsten Aktion gegen Rechte Gewalt wieder begrüßen zu dürfen". Was war das denn für ein Statement? |-| Man sollte doch die Nazis bekämpfen wollen und nicht schon jetzt zur nächsten Versammlung aufrufen. Man scheint halt davon auszugehen, dass in absehbarer Zeit wieder schlimme Dinge passieren werden... Dann erhielten alle Teams einen riesigen Pokal, gefolgt vom Händedruck des Bürgermeisters. Weiterhin bekam jede Mannschaft ein zusätzliches Präsent überreicht - in unserem Fall war es ein kompletter Satz Trainingsjacken! :) Dann verteilten die Kangaroos Eintrittsgutscheine im Wert von je 6 EUR für ihr nächstes Heimspiel im Januar. Da sind wir natürlich am Start! Im Anschluss fand noch eine kleine Autogrammstunde statt und wir holten uns selbstverständlich ganz brav die Autogrammkarten der Spielerinnen aus der zweiten Bundesliga ab. Dann ging es wieder an den Cops vorbei und direkt zur Mathe-Weihnachtsfeier... MfG, Maik