Status quo und der Kiffer-Kumpel
18/19.Mai 05 Ich esse. Wer mich besser kennt, weiß was das für eine Sensation ist. Ich hab gerade eine große grüne Gurke ganz genüsslich geknuspert : ). Das war wohl bitter nötig. Ich weiß nicht woher das kommt, aber ich habe kaum noch Hunger und habe in zwei Monaten etwa 10 Kilo verloren, ohne dass ich das wollte… Ich bin 1,82 groß und wiege nur noch 57 Kilo. Mein Body-Mass-Index ist irgendwo im Kellergewölbe aufgeschlagen und ich ärgere mich, dass ich nicht mal mehr Heißhunger auf meine hausgemachten Pfannkuchen habe (mit Vanilleeis!). Ist das normal? Na ja, ich muss mich glaube ich vorstellen. Macht man das hier? Ich hatte kürzlich die Idee, öffentlich Tagebuch zu schreiben. Ich hab noch nicht ein Blog gelesen, aber so schlecht wird mein Versuch hoffentlich nicht sein, oder? Also man nennt mich Nik, ich bin ein Mann zwischen 20 und 24 Jahren, sehe aus wie eine Frau zwischen 15 und 19, hatte seit dreieinhalb Jahren keine Beziehung, die letzte hat mich in zwei Klapsen getrieben und mir lange, tränenreiche Gesprächstherapien beschert, deshalb bin ich noch vorsichtiger (panisch/paranoid?) geworden. Ja ich bin eine Mimose, wenn man’s gut mit mir meint sagt man ich sei „seeehr sensibel“, aber ich stehe dazu. Ich jammere nicht (mehr : ), ich erzähle nur ein bisschen vor mich hin. Selbstmitleid führt dummerweise zu nichts, höchstens auf eine hohe Brücke oder zu Omas Tablettensammlung, und da will eigentlich niemand hin. Im Moment mach ich mein Abitur nach, Fachgymnasium Gesundheit/Soziales, spiele in einer Band und lebe von Mathenachhilfe, Gitarren-/Keyboardunterricht und natürlich ALG2 ,) Mein Traum ist es, mit meiner Musik irgendwann mal Geld zu verdienen, so naiv und einfältig das klingt. Mein Freundeskreis ist klein, ich bin sehr introvertiert, melancholisch depressiv veranlagt, Stier (wer’s wissen muss), kann keine Ordnung halten, komme immer zu spät und trage auch wenn es stürmt und schneit eine Sonnenbrille, damit ich die schönen Männer und Frauen in meiner Stadt länger angaffen kann ohne (zusammen-)geschlagen zu werden : ) Ich spiel’ viel mit meiner Frisur, von Glatze bis lang habe ich schon alles getragen, färbe meine Haare schwarz oder lila (und das komplette Badezimmer oft gleich mit : ), mag Farben wie Orange, Lila, Grasgrün, Schwarz, Lavendel, Weinrot, trage gerne Unkonventionelles, kanns mir aber praktisch nicht leisten, meine Lieblingszahl ist die 2. Meine Lieblingsfilme sind Die Farbe Lila (ich weine nicht, weil die Geschichte so rührend ist, sondern weil solche Dinge wirklich passiert sind und passieren), Pulp Fiction („Also bitte, bitte, mit Zuckerguß oben drauf, machen Sie das Scheißauto sauber“…), Reservoir Dogs (echt toll erzählt : ) und Jacky Brown (und Tarantino ist ein Gott : ). Meine Lieblingsbands sind Radiohead, Placebo, Sonic Youth, Nirvana, Garbage, RATM, Die Sterne, Tocotronic, The Doors, Beginner, Beastie Boys, Moby (das alte Zeug), Björk und wahrscheinlich noch ´ne Menge mehr. Ich bin bekannt dafür, viel zu sehr über viel zu unwichtige/elementare/pseudophilosophische Dinge nachzudenken. Beispiel gefällig? Gute Entscheidung. Ich wohne in einer Kleinstadt nördlich von Kapstadt und westlich von Moskau, habe einen Kater namens Ingo und (folgendes Wortspiel muss einfach sein) manchmal auch zwei (zu oft?), ich bin gerne kreativ und hab ein fast schon krankhaftes Bedürfnis, mich auszudrücken, mit Musik, Gedichten, Theater, Malerei, Schreiberei, Prahlerei… uswusf. Schnitt. Gestern war ich bei Holle, einem Kiffer-Kumpel (ich selbst kiffe nicht, aber ich ziehe solche Leute irgendwie an : ), eigentlich nur aus zwei Gründen. Erstens wollte ich ihm meine unglaublich geniale Idee darlegen, eine WG aufzumachen und ein verdammtes HAUS zu mieten, mit Keller, worin ich proben kann, vier Zimmern, drei Leuten, Garten, netten Nachbarn, weißen Gartenzäunen… und zweitens weil das mal wieder fällig war. Holle ist jetzt da wo ich vor drei Jahren war: arbeitssuchend. Er befriedigt seine Bedürfnisse daher auf geniale Art und Weise: Er behauptet, sie würden nicht existieren, Verdrängung würde der Hammerhai jetzt sagen. Wir hocken also da und spielen stundenlang PS2 reden über alles und nichts aber machen einen großen Bogen um alles, was uns wirklich beschäftigt, Holle raucht einen Kopf nach dem anderen, ich rauche und saufe wie ein Loch und irgendwann gegen drei Uhr nachts trete ich den Heimweg an, schlafe vier Stunden und gehe ungewaschen in die Schule. Yeah. Jedenfalls war Holle die Idee mit dem Haus nicht sehr geheuer (was nicht sonderlich überraschte), seine Ma hat wohl was Wohnungstechnisches in Futtertrognähe organisiert und so zieht die Karawane demnächst weiter Richtung Hotel del Mama. Ich für meinen Teil bin auf dieser Idee hängen geblieben, ich stelle mir das wirklich genial vor (ich kann mich wie ein Kind sehr schnell für etwas begeistern, das ist normal : )… Ich komme an einem heißen Sommertag von der Schule nach Hause, mach’ mir einen Salat in der (aufgeräumten) Küche und setze mich in den Bilderbuchgarten, wo das Gras nur so wuchert, wo meine alternativen WG-Mitbewohner hocken und Mikado spielen; oder so. Dann kommt meine Band vorbei und wir tapern in den Keller, der endlich mal groß genug ist und der nicht merkwürdig riecht. Wir jammen, Marc prügelt die Scheiße aus dem Drumkit, Jens spielt seinen Walking-Bass und ich schrammel’ und singe so laut ich kann und die Nachbarn sind weit genug weg, dass sich niemand beschweren kann. Abends sitzen wir dann versammelt im kreativ möblierten Wohnzimmer und rauchen und saufen bis allein schon der Klang des Wortes „Bett“ so erregend ist, dass man mit Freu(n)den in die Heia geht. Gut, oder? Und heute ist Donnerstag, Schule. Ich fehle oft. Heute nicht. Ich konnte es tatsächlich managen, rechtzeitig aufzustehen (s.o.) und vor meinem Lehrer vor dem Spanischraum zu sein. Heute auf dem Plan: Spanisch-Englisch-Deutsch je 90min, u.a. meine Lieblingsfächer. Sprachen mag ich sehr, espacially English. Ich fehle oft. Sagte ich schon. Irgendwie drückt der Schulbesuch in den Pausen immer ordentlich auf meine Stimmung. Ich habe einen großen Graben um mich mit Krokodilen drin gebastelt mit dem ich mich vom Rest der Klasse abgeschnitten habe und folglich will niemand etwas mit mir zu tun haben, ich bringe mich nicht ein, erzähle nichts, halte einfach meinen Mund und höre Musik. Ich gelte als arrogant und überheblich, irgendwie kann ich das ja nachvollziehen, aber was vielen nicht bewusst ist, ist, dass meine Distanziertheit eher aus Angst denn aus Arroganz zustande gekommen ist. Ich brauche verdammt lange, um mit neuen Leuten warm zu werden, das hasse ich ein wenig an mir. Jetzt frage ich mich, ob das Kind nicht schon längst in den Brunnen gefallen ist. Bringt es jetzt nach einem Jahr, wo sich Cliquen gebildet haben und man sich kennt, noch etwas, sich einzubringen? Und wie soll das gehen? Ich fühle mich allgemein nicht einsam, ich habe zwar keinen Horde Menschen um mich, aber ich hab eine Hand voll Leute, die ich sehr gut und sehr lange kenne. Aber in den Pausen, DA fühle ich mich einsam. Egal. Heute Abend muss ich noch ein wenig worken (für die Schule), Spanisch und Gesellschaftskunde, Chemie uswusf, außerdem Wäsche waschen und ein wenig für Ordnung sorgen… Ich denke das reicht auch für heute, mein Leben ist gar nicht so aufregend, dass es soviel Text rechtfertigt. Aber ich pack’ mal ein Gedicht von mir mit dazu, vielleicht mach’ ich das regelmäßig (ich habe viele, viele Gedichte : ) Aber da ich sowieso nur via Internetcafé ins Netz komme kann und will ich gar nicht täglich updaten. Bis dann Welt. Post – 04:56 ---------------- Die erste Bahn wiegt mich in den Schlaf. Die Höhen erlebt, Tiefen verdrängt. Die Ohren dröhnen noch. Gedanken kreisen leise. Kreisen kreuz und quer durch den Raum. Gesichter und Stimmengewirr. Farben und Fragmente. Jetzt nichts mehr wert. Endstation. Das ferne Rauschen der Autobahn. Die Straßen leer. Lichter die nicht leuchten. Dunkelheit grüßt schweigsam. Ich bin zuhause.