Terror der Intimität

„Ach Freunde“, fuhr Herr Äljen fort, „über Mode kann man lange diskutieren und wir werden irgendwann keine Krawatten mehr tragen. Naja, ist vielleicht nicht so schlimm. Das werden wir auch noch überleben, auch wenn ich es schöner finde. Vorhin war ich im Speisewagen und dort saß eine junge, Dame möchte ich in diesem Fall nicht sagen, Frau neben mir die ihr Sandwich so gegessen hat, dass sie mich zum Hals-Nasen-Ohrenarzt promoviert hat. Sie hat ihren Mund bei jedem Bissen so weit aufgerissen wie ein Krokodil. Die Leute haben einfach kein Gefühl mehr für Manieren. Ich habe ja nichts dagegen, wenn die Leute auf dem Campingplatz unbekleidet oder wie man es dort ja meistens sieht unten ohne im dortigen Supermarkt einkaufen gehen. Da bin ich nicht dabei, ich gehe selten auf einen Campingplatz, aber warum muss an Kirchen ausgeschildert sein, dass man keine Eiswaffeln mit hineinnehmen soll. Das ist doch noch ein besonderer Raum. Dort werden meine Ideen von dem, dass es doch noch etwas anderes gibt als Sandalen und Rucksack auf dieser Welt beleidigt. Dagegen wehre ich mich, wie und wo ich kann. Auch wenn man selber nicht gläubig sein sollte so kann man doch einem erhabenen Ort einen gewissen Respekt gegenüber zeigen. Aber wir brauchen nur den ganz normalen öffentlichen Raum zu nehmen. Ich denke nur an die total verwahrloste Handykultur. Wenn die Leute mit ihrer Mäusi im Zugabteil in einer Lautstärke telefonieren, dass ich von einer Privatheit überschwemmt werde, die ich nicht möchte. Man muss doch nicht mal das Erhabenen wählen, sondern der ganz normale öffentliche Raum muss vor dem Terror der Intimität geschützt werden. Gegen die Handymanie habe ich übrigens eine gute Waffe! Hier schauen Sie eine große Zigarre und wenn jemand telefoniert dann komme ich zu ihm hin und sagen: „Wenn Sie nicht gleich aufhören mit Ihrer Mäusi zu telefonieren, dann stecke ich diese Zigarre an“. Manchmal hat man Glück“, beendet Herr Äljen und setzte sich.