The other Serial - Borowski in der Unterwelt
"Borowski in der Unterwelt": Der Leser sollte den Tatort schon gesehen haben. Ein Tatort aus Versatzstücken aus dem Genre Serial Killer. Eine unangenehme Mode aus den U. S. A. Deshalb war der Streifen so interessant. Denn die Wendung am Schluss war deutlich. Zwar waren die Figuren, der Pfarrer und der "Totenwächter", reichlich obsessiv gezeichnet. Aber kein Mord hat stattgefunden, nicht ein einziger. Die Leichenteile in der Kanalisation? Fehlanzeige. Es handelte sich offenbar um einen sakralen Kult, erfunden von einem traurigen Einzelgänger. Die Morde? Der Irrtum eines Pfarrers, der in den Einlassungen des Fremden einen Massenmord sah, den er, gezeichnet von einer vagen Idee, dass nur der Martyrer wirklich Christus gleichkomme, auf sich nahm, ohne das Leid des "Totenwächters" zu erkennen. Der entstellte Totenwächter schließlich, ein Mann ungewisser Herkunft, ohne jede Identität, entstellt zwar, aber offenbar in der Ausübung seiner selbst gestellten Aufgabe. Kein Mörder, ein Leidender auf der Suche nach Erlösung, der alles auf sich nimmt, was dem zivilisierten Menschen mindestens eine Therapie wert ist, auf jeden Fall aber verdrängt wird. Alles sah aus, wie in den einschlägigen Horror- und Serial Killer-Filmen amerikanischer Herkunft, aber nichts war so, wie es schien. Der Metatext des Films lautet: "Die Bestie Mensch, der Fremde, ist kein Psychiopath, sondern ein Leidender, der durch ein Schicksal entstellt wurde und nicht durch unseren Hass oder unsere Angst identifiziert wird. Gehasst haben in dem Film alle anderen: Die Presse, die ohne jeden Beweis die Spekulation der Psychiologin aufgriff. Die Öffentlichkeit, der Dienstellenleiter, die Angehörigen, die geradezu auf ein Verbrechen hofften, um nicht erkennen zu müssen, dass ihre Geliebten, freiwillig in den Tod gingen. Nichts ist klar: Der große Unbekannte, das Monstrum ist eine vage Hoffnung derer, die alles Leid verdrängen, um genau dann zu versagen, wenn sie eben damit konfrontiert werden. Die Zivilisation und die Menschlichkeit, die glatte Oberfläche einer konsumorientierten Gesellschaft sind eine Lüge. "Alles ist unklar." Nicht weil, sondern gerade deshalb war dieser Tatort großes Fernsehen. Der Feind, das Ungeheuer, der Terrorist, das andere, nichts weiter als eine willkommene Ausrede, den Feind in uns selbst dingfest zu machen und alles Fremde zu bekämpfen, nur um zu übersehen, dass der Mensch dem Menschen ein Wolf ist, gleich ob er in der Unterwelt haust oder eine Nachrichtensendung moderiert. Nur: Alle Kritiker sprechen von Irritation, weil ein solcher Film sich nicht einordnen und bequem konsumieren lässt. Auf diese bezahlten Arschgeigen aber kann der aufmerksame Zuschauer gerne verzichten. "Lamm Gottes, das du hinweg nimmst die Sünden der Welt...erspare mir meinesgleichen."