Unsinnige Lidl-Ansiedlung
„Die Plattmacher gehen um. Wenn es so weitergeht, ist das gewachsene und originelle Winsen bald verschwunden – und wir können uns mit Stolz als erfolgreich amerikanisiert bezeichnen!“ Der Ärger ist Oliver Berten, seit 21 Jahren in der Luhestadt ansässig und Vorsitzender der Freien Winsener, deutlich anzumerken. „Wer ein paar Jahre weg war, und in 2006 aus Richtung Stelle nach Winsen kommt, wird denken, er hat sich in der Haustür geirrt“, stellt der parteiunabhängige Ratsherr fest. Tatsächlich: An der Kreuzung Hamburger Straße verdecken dann eine Waschstraße mit Großtankstelle die Sicht auf die Wohnbebauung, als nächstes findet der Heimkehrer links statt der vertrauten BGS-Gebäude die Hallen eines Fachmarktzentrums, während rechts ein gigantischer Lärmschutzwall die Landesgartenschau versteckt, und schließlich sind an der Kreuzung zur Bahnhofstraße auch das traditionsreiche Hotel Stadt Hamburg, uralte Bäume und das dahinter liegende Mehrfamilienhaus verschwunden. Vehement kämpfen die Freien Winsener gegen das Ansinnen der CDU-Gruppe, einem Investor aus Steinhude per Bebauungsplan-Änderung die Ansiedlung von „Lidl“ ausgerechnet an der sensiblen Kreuzung Hansestraße/Bahnhofstraße schmackhaft zu machen. Die Opfer der jetzt vorgelegten Pläne des Investors sind: Das historische Hotel Stadt Hamburg, das für zwölf banale Parkplätzen für den Billigmarkt plattgemacht werden soll, fünf große alte Buchen, Eichen und Ahornbäume mit einem Stammdurchmesser von bis zu 80 Zentimetern und ein halbes Dutzend überwiegend alter Menschen, deren langjähriger Wohnsitz im Eigentum der Stadtwerke ebenfalls dem Expansionsdrang des süddeutschen ALDI-Konkurrenten weichen sollen. Ein Geschäft im übrigen, das Stadtwerke-Chef Karl-Heinz Steinzen äußerst gelegen kommt. Kann er so doch neues Geld beschaffen, nachdem die CDU-Gruppe zur Stopfung von Haushaltslöchern gerade erst 1,8 Millionen Euro aus dem Vermögen der Stadtwerke „abgeschöpft“ hat. Oliver Berten: „Was wir hier erneut erleben, ist eine Stadtplanung ohne Rücksicht auf Verluste. Sie zerstört gewachsene städtebauliche Strukturen Winsens und ignoriert die Heimatbedürfnisse der Bürgerinnen und Bürger. Statt maßvoll, mit Sinn und Verstand unsere Stadt behutsam Stück für Stück weiter zu entwickeln, geht es CDU und Stadtverwaltung nur noch darum, welches Stück Winsen als nächstes für PR-trächtige Großprojekte wohlfeil vermarktet und verwurstet werden kann.“ Auf der kommenden Sitzung des Planungsausschusses werden die Freien Winsener erneut dafür kämpfen, diese Brechstangen-Planung ad acta zu legen. Sie plädieren statt dessen für einen städtebaulichen Wettbewerb, der zu einer Verschönerung und Aufwertung des Dreiecks Hansastraße, Bahnhofstraße und Schlossring führt und dabei ausdrücklich das Hotel Stadt Hamburg, die vorhandenen Wohngebäude und den alten Baumbestand schonen soll. (Pressemitteilung der FREIEN WINSENER 14. Januar 2005) Noch ein Supermarkt in Winsen - Lidl kommt Winsen - Der Wettbewerb um die Lebensmittelkäufer in Winsen verschärft sich. Der Edeka-Markt im Schanzenhof, der Famila-Markt im Luhe Park, dazu Minimal und gleich mit mehreren Läden Aldi sind hier bereits präsent. Jetzt steigt der Discounter Lidl zusätzlich ins Lebensmittelgeschäft in der 34 000 Einwohner zählenden Kreisstadt ein. Lidl will die leer stehende Immobilie "Hotel Stadt Hamburg" kaufen, das Gebäude abreißen und auf dem Grundstück einen neuen Markt bauen. Die Winsener Kommunalpolitiker gaben jetzt ihr Placet für dieses Projekt, obwohl es schon so viele Märkte gibt. Die Kommunalpolitiker erhoffen sich vom Lidl-Markt eine Attraktivitätssteigerung der Bahnhofstraße. Außerdem werden mit durch den Markt andere Bauvorhaben verhindert. Deshalb stimmte der Fachausschuss auch zu, die Veränderungssperre, die seit zwei Jahren für dieses Gebiet besteht, aufzuheben. Denn es war vom Grundeigentümer auch schon einmal angedacht worden, dort ein Bordell einzurichten. Flugs wurde, als der Vertrag als Asylantenunterkunft auslief, eine Veränderungssperre erlassen. Allerdings gingen die Gedankenspiele auch dahin, das Polizeihauptquartier von der Luhdorfer Straße in die Nähe der Innenstadt zu rücken und das Hotel, mit Anbau, zum neuen Polizeidomizil umzugestalten. Ebenfalls waren ein Rehabilitationsheim und ein Studentenwohnheim in dem Komplex angedacht. Ein Vorentwurf der Firma Lidl sieht jetzt einen Neubau mit 1200 Quadratmetern, davon 870 Quadratmeter Verkaufsfläche, vor. 93 ebenerdige Stellplätze werden geschaffen. Als Ersatz für die 68 wegfallenden Pendlerparkplätze hinter dem jetzigen Gebäude sieht der Vorentwurf eine Fläche im ersten Obergeschoss des Neubaus vor. Dieser Parkplatz wird über eine Rampe erreicht. mp (HAMBURGER ABENDBLATT 7. Mai 2004) Das leerstehende "Hotel Stadt Hamburg" soll Lidl weichen