Volksmund

Der Volksmund kennt Weisheiten, die wir oft nicht beachten. Nur zwei Wörter: "Wunschlos glücklich." Damit ist alles gesagt. Dichterisch klingt es so: ‚Warum in die Ferne schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah: Lerne nur das Glück ergreifen und das Glück ist immer da.’ Das Glück liegt in uns, so nah ist es. Bert Brecht meinte, wir sollen nicht so sehr nach dem Glück rennen oder jagen. Es läuft uns hinterher. Wenn wir uns umwenden, erkennen wir es. Das Glück in sich selbst zu finden ist schwierig, doch es außerhalb zu finden, (es von anderen Menschen oder von Dingen erhalten), ist unmöglich. So etwa sah es Schopenhauer. Es sind die Gedanken, die wir uns über die Tatsachen machen. Mit diesen Gedanken beurteilen wir, ob wir glücklich sind oder nicht. Wenn wir nicht mehr bewerten, sondern die Tatsachen nehmen, wie sie sind, kommt die Ruhe in uns. Ein erfüllter Wunsch hört auf zu sein. Doch kaum ist er erfüllt, so kommen neue Wünsche. Es ist oft ein großes Unglück, wenn ein stark und lang gehegter Herzenswunsch nicht in Erfüllung geht. Doch ebenso kann ein lang gehegter und dann erfüllter Wunsch uns enttäuschen. Ent-Täuschen. Von der Täuschung befreien, dass uns etwas, das von außen kommt, glücklich manchen kann. Wünsche kommen von innen. Es sind die Sinne, die in uns einen Wunsch entstehen lassen. Doch wir haben kaum die Macht über unsere Sinne und unser Denken, unser Wünschen unser Verlangen. Hätten wir die Macht, so brauchten wir die weisen Sprüche nicht. Die uns Wegweiser sind, um uns selbst zu erkennen und unser Leben von innen her zu verstehen. Dann entsteht das innerliche Glücksgefühl. Ohne von außen abhängig zu sein. Wie ist es mit dem Ärger? "Man kann keinem Menschen einen Ärger geben, wenn er ihn nicht nehmen will." Der Ärger liegt in uns. Wenn wir ihn nicht innerlich besitzen, kann uns kein Ärger berühren. Die Fähigkeit und Bereitschaft sich zu ärgern, liegt auf der Lauer und wartet darauf, sich zu entfalten. Dazu kann jeder noch so belanglose Anlass genügen, um den Ärger auszulösen. Der Anlass erscheint nur so, als ob er wichtig wäre. Plötzlich bricht der Ärger aus. Nach wenigen Tagen ist der Anlass fast völlig vergessen. doch der Ärger oder Streit hat uns gekränkt. Bleibt der Anlass bestehen, so bewirkt er keinen neuen Ärger. Daran kann man erkennen, es geht um den Streit und nicht (so sehr) um die Sache. Das Problem ist es, die Streitlust in Nüchternheit und aus Einsicht aufzulösen – sie auflösen zu können. Was kränkt, macht krank. ‚Der Feind hat zweierlei Quartier: Eins bei sich und eins bei mir.’ Manchmal weiß der Feind nichts davon, dass wir gegen ihn eine Feindschaft hegen. Doch unsere innere Feindschaft macht uns unzufrieden. Auch hier ist die Vorstellung, gekränkt zu sein, der Auslöser. Oft ist es eine Meinungsverschiedenheit. Doch jeder Mensch meint, nur seine Meinung ist die richtige. Doch wer hat die Urteilsfähigkeit und Kraft und die Kenntnis, um ein gerechtes Urteil fällen zu können? Es gibt keine irdische Gerechtigkeit und keine unfassende Kenntnis darüber, was gerecht ist. "Was ist denk' und was ich tu' trau' ich jedem andern zu." Wir können nur das verstehen, was wir in uns haben. Gleiches versteht Gleiches. Gleich zu gleich gesellt sich gern. Denn Ungleiches ist nicht beliebt. ‚Was interessiert wird registriert.’ Interesse bewegt uns. Es kann uns in den Streit treiben, kann Wünsche erwecken; unsere Aufmerksamkeit richtet sich darauf.