Zwickmühle für McCain...aber auch für die Pro-Life-Bewegung

Auf der republikanischen Seite scheint es immer klarer zu werden, dass alles auf John McCain zuläuft. Aus deutscher und europäischer Sicht ist der Mann ein echt harter konservativer Knochen und hätte seine politische Heimat wohl eher auf dem rechten Flügel der CSU. In den USA aber haben viele Konservative ein Problem mit ihm, weil er bei zwei entscheidenden Themen liberaler erscheint, als sich das die Puristen von ihrem Kandidaten erhoffen: in der Zuwanderungsfrage steht er gegen eine Kriminalisierung illegaler Einwanderer und in Bezug auf den Lebensschutz befürwortet er staatlich subventionierte Forschung mit embryonalen Stammzellen. Etliche Male stimmte McCain im Senat in Pro-Life-Fragen gemeinsam mit den Konservativen GEGEN jegliche Liberalisierung des Abtreibungsrechts. Zwei Mal jedoch stimmte er in Fragen des Lebens gegen die konservative Mehrheit seiner Partei - und beide Male ging es um die Forschung. McCain weiß, dass er gegen die Basis seiner eigenen Partei keine Wahl gewinnen kann. Fast 40% der US-Wähler bekannten sich bei den letzten vier Wahlen dazu, sog. Born Again Christians zu sein, also Evangelikale, deren Wahlentscheidung vor allem durch die Family Values geprägt ist. Nur durch die Graswurzel-Bewegung der evangelikalen Gemeinden hatte die Reagan Coalition genug Mobilisierungspotenzial, um strukturelle Mehrheiten zu sichern. Auf diese 40% verzichten zu wollen, wäre für jeden Republikaner politischer Selbstmord. Andererseits hat die Pro-Life-Bewegung nur so lange politischen Einfluß, wie sie ihre Anhänger an die Wahlurne bringt. Bis Ende der 70er übten sie sich in elektoraler Enthaltsamkeit, nachdem sie Mitte der 60er den Südstaaten-Demokraten den Rücken gekehrt hatten. Erst Reagan schmiedete eine neue Koalition mit ihnen - und holte auch sie aus der politischen Bedeutungslosigkeit heraus. Seitdem sicherten sie republikanische Mehrheiten und brachten sogar unter einem Präsident Clinton den Kongress nachhaltig in konservative Hände. McCain braucht also die Religious Right und diese braucht die politische Beteiligung. Wie kommen also beide aus dieser Zwickmühle heraus? Es gibt hier wohl vier Möglichkeiten: 1. die Religious Right schert sich nicht um den republikanischen Kandidaten und führt einen harten Wahlkampf an der Basis gegen den demokratischen Gegenkandidaten. Denn egal, ob es Clinton oder Obama wird - beide und ihre jeweiligen Parteitruppen sind für die Evangelikalen der Inbegriff einer satanischen Politik. 2. McCain erwählt einen strammen Christlich-Konservativen zum möglichen Vizepräsidenten. Damit scharen sich die christlichen Gemeinden hinter dem Team und geben ihm einen zusätzlichen Schub. Fred Thompson wäre so ein Kandidat, oder auch Huckabee. 3. McCain stellt klar, dass er sich als Präsident gegen jegliche staatliche Subventionierung der Stammzellforschung stellt - und kommt damit gleichzeitig den Libertären und Christen entgegen. Man wird ihn dann während seiner Amtszeit vor allem daran messen können, welche Richter er ernennt. 4. die religiöse Rechte wirft ihr Geld und ihren politischen Einfluss konzentriert für Mike Huckabee ins Spiel, um McCain zu verhindern. Damit schwächt sie beide Kandidaten und verpulvert vermutlich gigantische Ressourcen, die man im heißen Wahlkampf noch dringend gebrauchen könnte. McCain wird wohl ohne die Christen kein Präsident. Und die Born Again Christians werden wohl ihren politischen Einfluss nachhaltig einbüssen, wenn sie einen republikanischen Präsidenten verhindern. Die Reagan Koalition wäre gebrochen...